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Archive: Episoden

PLBD009 Chronische Erkrankungen (3/3)

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Mitwirkende

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avatar Lotte

Shownotes

Triggerwarnung

00:00:01
  • In dieser Episode wird es um chronische Erkrankungen und die daraus erwachsenden schweren Belastungen im Leben der Betroffenen gehen. Sowohl die Betroffenen als auch mitunter ihre Angehörigen sind aus guten Gründen bemüht, diese Belastungen aus ihrem Bewusstsein zu halten. Unser folgendes Gespräch wird entgegen diesen Bemühungen all diese Facetten ihres Leidens versuchen zu beleuchten und so ins Bewusstsein zurückholen.
  • Wir emfpehlen daher dringend, sich bereits vor dem Hören der drei Episoden zu diesem Thema planend vorzubereiten, ob und wieviel am Stück Ihr sie Euch anhören möchtet. Prüft bitte bewusst, wieviel Kraft und Distanz Ihr im Moment aufzubringen fähig seid und stellt Euch ggf. einen Wecker, um Euch zu Pausen zu zwingen. Es ist ein Podcast, er läuft nicht weg und somit könnt Ihr ihn Euch auch in 15min-Abschnitten anhören, wenn das erforderlich ist.
  • Sollte es dennoch zu Überforderung kommen, werdet Ihr Hilfe zur Entlastung und Distanzierung benötigen. Denkt daher bitte auch vorher darüber nach, mit wem Ihr unter Umständen über Eure Gefühle und Gedanken reden könnt, und wie diese Menschen wann zu erreichen sind. Wie bei anderen Folgen auch, weise ich außerdem auf www.telefonseelsorge.de hin, wo ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon erhalten könnt. Wenn Ihr nicht ohnehin schon kompetente psychotherapeutische Betreuung habt, seid an die Möglichkeit sogenannter Psychotherapeutischer Sprechstunden bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen erinnert, die im Krisenfall auch sog. Akuttherapien zur Krisenbewältigung anbieten können.

Begrüßung und Vorstellung

00:03:13
  • Fokus Bewältigung:
    • Eigene Lösungsversuche
    • Externe Expertise/Hilfe

Frage an die Expertin (Lotte)

00:04:23
  • Problemstellungen vielfältig = Lösungsstrategien vielfältig
  • Chronische Erkrankungen sind "life changing"
    • unterschiedliche Schweregrade
    • erfordern viel Aufmerksamkeit im Alltag
  • Gleichgewicht zwischen Ressourcen und Anforderungen bewahren/herstellen
  • Beispiele für typische Meisterungsstrategien
  • Leugnen und Ignorieren der Erkrankung (sauswirkungen) im Alltag
    • Überspielen, Distanzieren, Verdrängen, Bagatellisieren
      • von Symptomen und Einbrüchen
    • entspricht häufiger gesellschaftlicher Erwartung ("Zähne zusammenbeißen")
    • hoher Kontrast der starken und schwachen Phasen
      • langfristig hoher Preis durch wachsende Rückschläge
    • Planung: Tages- und Wochenpläne, Achtsamkeit ...
    • dennoch häufige Überschätzung eigener Ressourcen und Unterschätzung von Kosten
    • Akzeptanz der neuen Prämissen unter Erkrankung schwierig
      • Festhalten an alten Standards
    • Problem gesellschaftlicher Idealisierung von Spontanität
      • die unmittelbare Belohnung verspricht (Hedonismus)
      • langfristige Effekte von Planung werden oft nicht vorhergesehen
      • langfristige Schäden fehlender Planung oft nicht mit diesem Mangel verbunden
      • Hilfe bei Einsicht kann durch Psychotherapie ggf. besser gewonnen werden
    • Perfektionismus erschwert Anpassung von Planung an wechselnde Rahmenbedingungen
  • Sense of Urgency: An guten Tagen alle Ausfälle eilig kompensieren wollen (Überkompensation)
    • Auch als genussorientierte Euphorie an guten Tagen möglich (Bsp: Almauftrieb nach Winter)
    • Totale Selbstüberforderung - Erschöpfung exponentiell wachsend
    • Sekundäre Belastung durch Misserfolge und Enttäuschungen
      • Bei Nicht-Betroffenen auch! Aber Auswirkungen bei Betroffenen erheblicher
    • Metapher: Autofahren mit Vollgas vs. Optimaler Verbrauch
  • Akzeptanz
  • Streben nach Kontrolle
    • Z.B. durch Aufbauen von Struktur
    • oder krankheitsspezifischen Kompetenzerwerb
    • Klärung von Verantwortung für welche Aspekte von Kranksein
    • Zwanghafte Kontrolle vs. Externalisierung von Verantwortung (Kontinuum)
      • Mitte nicht unbedingt optimal!
      • Gerade bei seltenen Erkrankungen hohe Expertise für eigene Krankheit (höhere Kontrolle) ggf. überlebenswichtig!

Akzeptanz vs. Ewiger Kampf

00:41:00
  • Gesellschaftlich typische Metaphorik des Kriegs
    • Risiko des "Kampf gegen Windmühlen"
    • Totaler Sieg oder Niederlage
      • Therapie: Auflösen des Dualismus
    • Akzeptieren != Aufgeben
    • Risiko falsche "Gegner" zu wählen
      • Bsp: Traumafolgestörung
        • Vermeidung von Erinnerung verschlimmert Störungsbild
        • Bestimmtes Zulassen von Symptomen für Kompensation erforderlich

Hilfsangebote - Für und Wider

00:50:30
  • Bewältigungsgruppen, Meisterungskurse, Selbsthilfegruppen etc.
    • Vermittlung nach dem Gießkannen-Prinzip
      • aus Effizienz- und Kostengründen grundsätzlich nachvollziehbar
    • Unzureichende Individualisierung kann hoch kontraproduktiv sein
      • kann sogar wirksame Strategien für Betroffene "verbrennen"
      • wird Komorbidiäten (mehrere Diagnosen) , diversen Lebensrealitäten und Wechselwirkungen oft nicht gerecht
      • kann Unzulänglichkeitserleben in Betroffenen verstärken oder auslösen
      • Bsp: Entspannungsverfahren, Energieökonomisierungskurse
    • Perspektivwechsel für verschiedene Behandler*innen abhängig von Störungskenntnissen oder beruflichen Kompetenzen ggf. unzureichend
      • "schwierige" Patient*innen fallen stets hinten rüber
    • Chance: Angebote können anregen, unterstützen, soziale Unterstützung anbieten
      • Verfügbarer, leichter und schneller erhältlich
      • Aber zusätzliche Hilfe bei Individualisierung/Differenzierung empfehlenswert (z.B. begleitende oder nachfolgende Einzeltherapie)

Ambulante Psychotherapie als Bewältigungshilfe

01:16:30
  • Qualität der Angebote stark abhängig von Kompetenz und Haltung der Helfenden
    • Ruhig viele Therapeut*innen "ausprobieren" und Flexibilität und Offenheit prüfen
    • Anerkennung der Expertise der Betroffenen wichtig
      • Auch gut für das Kontroll- und Selbstwirksamkeitserleben der Betroffenen
    • Flexible (vorläufige!) , individuelle und transparente Störungs-/Problemmodelle gutes Zeichen
  • Hilfe bei Trennung von Symptomursachen und Klärung eigenen Einflusses auf Belastung
    • Ausschöpfung nicht-pharmakologischer Methoden zur Minimierung von Neben- und Wechselwirkungen
    • Stressbewältigungstechniken fast immer nützlich
  • Entlastung mitbelasteter sozialer Bindungen
  • Ausdruck und externe Bestätigung (Validierung) des erlebten Leids
  • Gestützte und tabulose Reflektion mit unabhängiger Person
  • Trauerarbeit, Emotionale Bewältigung von (ggf. fortschreitenden) Verlusten
  • Sozialer Isolation entgegenwirken
  • Neue, angepasste Lebensentwürfe entwickeln!
    • Paradoxe Anmutung: Leben kann grundsätzlich sogar glücklicher werden als vorher!
    • Veränderung birgt ggf. auch Chancen auf anderen Lebens-Ebenen
    • Recht auf "Das gute Leben"

Fazit und Zeit, die Löffel zu polieren

01:43:21
  • Danke für Euer Feedback und die Ermutigungen!
  • Homers und Lottes persönlicher Rückblick auf ca. 6h Podcast
  • Appell an Nicht-Betroffene: Fragt nach! (z.B. ob ihr fragen dürft 😉 )
  • Gegenseitiger Dank und Selbstanerkennung unserer Investitionen in das Projekt <3
  • Hinweis auf neue Kommentarfunktion und Verfügbarkeit im Fediverse unter @homer77@plapperbu.de

Outro

01:59:59

PLBD008 Chronische Erkrankungen (2/3)

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Mitwirkende

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Shownotes

Triggerwarnung

00:00:01
  • In dieser Episode wird es um chronische Erkrankungen und die daraus erwachsenden schweren Belastungen im Leben der Betroffenen gehen. Sowohl die Betroffenen als auch mitunter ihre Angehörigen sind aus guten Gründen bemüht, diese Belastungen aus ihrem Bewusstsein zu halten. Unser folgendes Gespräch wird entgegen diesen Bemühungen all diese Facetten ihres Leidens versuchen zu beleuchten und so ins Bewusstsein zurückholen.
  • Wir emfpehlen daher dringend, sich bereits vor dem Hören der drei Episoden zu diesem Thema planend vorzubereiten, ob und wieviel am Stück Ihr sie Euch anhören möchtet. Prüft bitte bewusst, wieviel Kraft und Distanz Ihr im Moment aufzubringen fähig seid und stellt Euch ggf. einen Wecker, um Euch zu Pausen zu zwingen. Es ist ein Podcast, er läuft nicht weg und somit könnt Ihr ihn Euch auch in 15min-Abschnitten anhören, wenn das erforderlich ist.
  • Sollte es dennoch zu Überforderung kommen, werdet Ihr Hilfe zur Entlastung und Distanzierung benötigen. Denkt daher bitte auch vorher darüber nach, mit wem Ihr unter Umständen über Eure Gefühle und Gedanken reden könnt, und wie diese Menschen wann zu erreichen sind. Wie bei anderen Folgen auch, weise ich außerdem auf www.telefonseelsorge.de hin, wo ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon erhalten könnt. Wenn Ihr nicht ohnehin schon kompetente psychotherapeutische Betreuung habt, seid an die Möglichkeit sogenannter Psychotherapeutischer Sprechstunden bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen erinnert, die im Krisenfall auch sog. Akuttherapien zur Krisenbewältigung anbieten können.

Begrüßung und Vorstellung

00:03:14
  • Kurzvorstellung Lotte
  • Anschluss an Teil 1
    • Definition
    • Prävalenz
    • Subjektives Erleben
  • Gliederung Teil 2

Krankheitsauswirkungen an sich

00:06:33
  • Somatische Erkrankungen können sich auswirken auf
    • Hormonsystem
    • Neurotransmittersystem
  • Auswirkungen aber komplex und schwerer vorherzusagen als früher angenommen
  • Beispiel Über/Unterfunktion der Schilddrüse
    • Mangelhormon kann künstlich ersetzt werden und Symptome verschwinden wieder
    • Sollte bei depressiver Symptomatik stets geprüft werden bevor antidepressive Medikation oder Psychotherapie eingesetzt werden. Auch bei Angstzuständen.
    • Auch andere Stoffe wie Vitamin D können bei Mangel depressives Syndrom auslösen
  • Beispiel Essentielle Hypertonie aka Bluthochdruck
    • Erhöhter Blutdruck ist mit Aktivierungszustand assoziiert und geht daher manchmal mit dem Empfinden von Angst einher. (Angst allerdings auch immer mit einer temporären Erhöhung des Blutdrucks)
  • Beispiel Parkinson und Zittern
    • Alltagshandlungen extrem zeitaufwändig durch eingeschränkte Feinmotorik

Medikamente und Hilfsmittel

00:19:55
  • Medikamente
    • müssen stets und ständig mitgeführt werden
    • bedürfen dabei teilweise spezieller Lagerung (z.B. Kühlung auch unterwegs)
    • Flughafen-Anekdote:
      • Extra-Kühltasche für Medikamente
      • Kühlelemente führen zu Schwierigkeiten beim Sicherheitscheck
      • Öffentliche Bloßstellung durch Vorzeigen der Medikamente und Diskussionen
      • Auf Reisen sachgemäße Lagerung auch oft schwierig
    • Mehrere Präparate müssen zu unterschiedlichen Zeiten absolut pünktlich und abhängig voneinander (Wechselwirkungen) eingenommen werden
      • sehr anspruchsvolle logistische und organisatorische Aufgabe
      • Keine Ausnahme, kein Wochenende, kein Ausschlafen etc.
    • greifen zum Teil ebenfalls - wie die Erkrankungen - in hormonelles und Neurotransmittersysteme ein und können ihrerseits psychische Symptome auslösen oder verstärken
      • i.d.R. unterkommuniziert
        • auch Behandler*innen vergessen häufig diesen Aspekt der Medikation mit den Beschwerden der Pat. in Beziehung zu setzen
        • hohe Komplexität durch Kombinationstherapien (Wechselwirkungen)
      • viele unterschiedliche Fachärzt*innen, die schlecht miteinander abgestimmt sind.
        • Management medizinischer Behandlung bleibt an Patient*innen (i.d.R. med. Lai*innen!) selbst hängen

Dauerstress

00:42:32
  • Ständige Selbstbeobachtung und Managment des Krankseins
    • Beispiel: Reichweitenangst bei Elektroautos
    • Führt zu erhöhtem Cortisolspiegel, was chronischen Unruhe- oder sogar Angstzustand bedeutet
    • Reizbarkeit, Anspannung, Impulsivität mögliche Folgen
    • Sympatikus (Anspannung) vs. Para-Sympatikus (Entspannung)

Soziale und gesellschaftliche Teilhabe

01:00:10
  • Stereotype Vorstellungen von Krankheit
  • Ähnlichkeit mit Betroffenen in besseren Phasen erhöht Bedrohungsgefühl durch Konfrontation mit Vergänglichkeit von Gesundheit und Leben
    • Subjektiver Verlust von Kontrolle über sich und sein Leben
    • Führt zu Hilflosigkeit und Angst
    • Wird über Vermeidung, Verdrängung und Leugnen "bewältigt"
  • Erhöhtes Risiko von Abhängigkeits-Beziehungen
    • Paternalismus und Invalidierung
      • zusätzliche soziale Behinderung in eigener Bewältigung
    • Helfer*innen-Burnout
      • Frustration
      • Selbstvernachlässigung oder Mangelversorgung
      • Kränkung
  • Vorwürfe, Ratschläge, Vergessenwerden
  • Privileg Nicht-Betroffener sich durch pauschalen Rückzug vor Risiken negativer Rückmeldung zu schützen
    • Betroffene können nicht wählen, keine Hilfe zu brauchen
    • Unzulässige Generalisierung schadet großer Gruppe zugunsten der Convenience Nicht-Betroffener

Eigene Gefühle in Bezug auf Erkranktsein

01:20:27
    • Diagnose erhalten - Wie war das für Dich?
    • Zuerst Erleichterung
      • nach langer Invalidierung als Psychisch/Psychosomatisch krank
      • Genugtuung, Entlastung von Scham
      • Erlösung: Endlich werde ich ernst genommen!
    • Langfristig dann aber der Schock über Bedeutung
      • Unsicherheit, Angst
        • vor Schmerzen, Krankheit, Medikamenten
        • existenzielle Ängste vor Verlauf, Prognose, Therapieoptionen
      • Verluste: Trauer, Wut, Kränkung
        • Identitäts- und Rollenverluste
        • Funktionseinschränkungen und -verluste
        • körperliche Veränderungen
        • Verlust der Selbstbestimmung
        • Abschied von Plänen und Lebensentwürfen
      • Invalidierung eigener Expertise für sich und sein Erleben durch z.B. Behandler*innen, aber auch Angehörige
        • Wut
        • Unzulänglichkeitserleben
    • Berichte von Chroniker*innen über ihre Gefühle

Anekdote: Marginalisierungserfahrungen bei Flugreisen

01:41:37

Dank und Verabschiedung

01:46:59
  • Ausblick Teil 3
  • Danke Lotte!

Outro

01:49:09

PLBD007 Chronische Erkrankungen (1/3)

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Shownotes

Triggerwarnung

00:00:01
  • In dieser Episode wird es um chronische Erkrankungen und die daraus erwachsenden schweren Belastungen im Leben der Betroffenen gehen. Sowohl die Betroffenen als auch mitunter ihre Angehörigen sind aus guten Gründen bemüht, diese Belastungen aus ihrem Bewusstsein zu halten. Unser folgendes Gespräch wird entgegen diesen Bemühungen all diese Facetten ihres Leidens versuchen zu beleuchten und so ins Bewusstsein zurückholen.
  • Wir emfpehlen daher dringend, sich bereits vor dem Hören der drei Episoden zu diesem Thema planend vorzubereiten, ob und wieviel am Stück Ihr sie Euch anhören möchtet. Prüft bitte bewusst, wieviel Kraft und Distanz Ihr im Moment aufzubrigen fähig seid und stellt Euch ggf. einen Wecker, um Euch zu Pausen zu zwingen. Es ist ein Podcast, er läuft nicht weg und somit könnt Ihr ihn Euch auch in 15min-Abschnitten anhören, wenn das erforderlich ist.
  • Sollte es dennoch zu Überforderung kommen, werdet Ihr Hilfe zur Entlastung und Distanzierung benötigen. Denkt daher bitte auch vorher darüber nach, mit wem Ihr unter Umständen über Eure Gefühle und Gedanken reden könnt, und wie diese Menschen wann zu erreichen sind. Wie bei anderen Folgen auch, weise ich außerdem auf www.telefonseelsorge.de hin, wo ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon erhalten könnt. Wenn Ihr nicht ohnehin schon kompetente psychotherapeutische Betreuung habt, seid an die Möglichkeit sogenannter Psychotherapeutischer Sprechstunden bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen erinnert, die im Krisenfall auch sog. Akuttherapien zur Krisenbewältigung anbieten können.

Begrüßung und Vorstellung

00:03:15
  • Lotte
    • Norwegerin
    • Diplom in Psychologie in Deutschland erworben
    • Verschiedene Tätigkeiten im akademischen Bereich
    • Zuletzt Associate Professor in Special Education with Emphasis on Psychometrics and Test Development
    • Selbst von chronischer Krankheit Betroffene
    • Mittlerweile Vollzeit-Erkrankte

Warum dieses Thema?

00:07:30
  • Erfahrung von mangelndem Bewusstsein für Realität Betroffener auf Seiten der Behandelnden
    • Mehrheit der Behandelnden weiß, mindestens Mittelschicht, able und mit sicherem, stabilem Arbeitsverhältnis
  • Erfahrungen der Unterkommuniziertheit vieler Aspekte chronisch Krankseins
    • Marginalisierung und Invalidierung durch die Umwelt
    • Belastung von Angehörigen und Rückwirkung auf Betroffene
  • Forschung: Deutlicher Zusammenhang zwischen chronischen und psychischen Erkrankungen gibt und vice versa
    • Psychischer Stress als Auslöser für Somatische Beschwerden und Erkrankungen
    • Körperliche Beschwerden als Auslöser für psychische Störungen

Gliederung

00:13:55
  • Drei Folgen um Energieressourcen nicht zu überfordern
  • Teil 1
    • Definition einer chronischen Störung
    • Prävalenz
    • Subjektives Erleben
  • Teil 2
    • Psychische Auswirkungen bei chronischen Erkrankungen
      • Folgen der Krankheitssymptomatik
      • Folgen der Medikation
      • Folgen sozialen/gesellschaftlichen Umgangs
  • Teil 3
    • Psychotherapie bei chronischen körperlichen Erkrankungen
    • Psychische Störungen und Autoimmunerkrankungen
    • Gemeinsamkeiten und Unterschiede somatischer vs. psychischer chronischer Erkrankungen
    • TakeAway massages

Definition Chronische Erkrankungen

00:19:15
  • Es gibt keine einheitliche Definition (Scheidt-Nave, 2010a in GEDA 2009)
  • AOK: "Unter einer chronischen Erkrankung versteht man eine länger andauernde, schwer heilbare Krankheit"
  • Oft: "andauernd, wenn der Zustand mehr als drei Monate anhält"
  • Zu unterscheiden von "akute Krankheit" (ca. zwei Wochen)
    • Chronische Erkrankung kann Akute Phasen haben
  • Wikipedia
  • Schweregrade von symptomfrei, über mild bis hin zu schwerwiegenden Symptomen und Einschränkungen
    • Definition Bundesgesundheitsministerium:
      • Als schwerwiegend chronisch krank gilt, wer mindestens einen Arztbesuch pro Quartal wegen derselben Krankheit wenigstens ein Jahr lang nachweisen kann und zusätzlich eines der folgenden Kriterien erfüllt:
        • entweder Pflegebedürftigkeit des Pflegegrades 3, 4 oder 5
        • oder aber ein Grad der Behinderung beziehungsweise eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 60 Prozent
        • oder wenn eine kontinuierliche medizinische Versorgung benötigt wird, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die von der Krankheit verursachte Gesundheitsstörung zu erwarten ist.
      • Anwendbarkeit auf psychische Erkrankungen
        • Wartezeit auf Behandlung i.d.R > 5 Monate, Behandlungszeit oft > 12 Monate
        • Chronizität daher eher Regelfall als Ausnahme

Die häufigsten chronischen Erkrankungen

00:33
  • laut GEDA 2009:
    • Krebs
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Diabetes
    • chronische Atemwegserkrankungen
  • WHO: Ursache 80% aller frühzeitigen Todesfälle
  • Beispiele weiterer chronischer Erkrankungen:
    • Quelle (PDF)
    • Alzheimer
    • Angststörungen
    • Autoimmunerkrankungen
    • Bipolare Sörungen
    • Depression
    • Epilepsie
    • Seh- und Hörbehinderung
    • Adipositas
    • MS
    • Osteoporose
    • Psoriasis
    • Rheumatische Erkrankungen
    • Stoffwechselerkrankungen
    • Gicht
    • Schilddrüsenunter-/überfunktion
  • Verläufe unterscheiden sich zum Teil erheblich
    • Ernährungsumstellungen können bei einzelnen Krankheiten zur teilweisen oder vollständigen Remission (Symptomfreiheit) führen (z.B. Adipositas, Gicht, Formen von Diabetes 2)
    • Krebsbehandlungen gelten als erfolgreich, wenn z.B. nach 5 Jahren keine Neubildungen von Krebszellen festgestellt werden konnten
    • Andere Erkrankungen sind nicht reversibel und bedürfen stetiger Überwachung und Behandlung
    • Wieder andere werden als "progressiv", d.h. fortschreitend, bezeichnet und werden unausweichlich schlimmer (z.B. Multiple Sklerose, verschiedene Autoimmunerkrankungen oder Alzheimer)

Prävalenz (nach GEDA 2009 und 2012)

00:45:20
  • GEDA: "Gesundheit in Deutschland aktuell"
    • GEDA 2009
    • GEDA 2012
    • Befragung an repräsentativer Stichprobe (N=20.000)
    • Selbsteinschätzung (Ja/Nein) : "Haben Sie eine oder mehrere lang andauernde, chronische Erkrankungen? (Hinweis: Chronische Krankheiten sind lang andauernde Erkrankungen, die ständiger Behandlung und Kontrolle bedürfen, z.B. Diabetes oder Herzerkrankungen.) "
    • > 1/3 der deutschen Bevölkerung mit mindestens einer chronischen Erkrankung
    • Breite Kategorie: Erfordert weitere Differenzierungen in Bezug auf Konsequenzen
    • 43 % der Frauen und 38 % der Männer geben an, von mindestens einer chronischen Krankheit betroffen zu sein. Der Unterschied ist statistisch signifikant.

Fazit

00:53:13
  • Chronisch Kranke insgesamt sind keine Minderheit oder Randgruppe.
  • Chronische Erkrankungen spielen im Leben nahezu jedes Menschen eine Rolle:
    • direkt als Betroffene
    • indirekt als Angehörige

Subjektives Erleben Chronischer Erkrankungen

00:54:53
  • Wie ist es eine chronische Krankheit zu haben? (Erlebensebene)
    • Frage, die Betroffene nur sehr selten hören
    • Typische Fragen: Was hast du? Was ist das? (Faktenebene)
  • Komplexität überfordert Nicht-Betroffene
    • Typische Reaktionen: Betroffenheit, Hilflosigkeit, Meidung des Themas, Überforderung etc.
  • Chronische Erkrankung als "ungebetener Gast, den du nicht rausschmeißen kannst"
  • Häufige Begleiterscheinung: Extremer Energiemangel
    • Chronische Erkrankungen kosten unglaublich viel Energie, weil chronisches "Multitasking" z.B. wegen stetiger Müdigkeit oder Schmerzen
    • Löffelanalogie (Shout out to Spoonies!)
    • Akkumetapher
    • Erhebliche Einschränkung von Leistungsfähigkeit und damit persönlichen Freiheitsgraden
      • auch "normale", alltägliche Dinge benötigen Energie (Zähneputzen, Lachen, Essen verdauen ...)
      • Angst vor sicherer Rückkehr der belastenden Symptome (sekundärer Stress)

Das Ende

01:15:53
  • Dank, Verabschiedung und Löffelbilanz!
  • C U in Teil 2 hoffentlich! 😀

Outro

01:17:03

PLBD006 Psychologie der »Alternativmedizin«

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Mitwirkende

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Shownotes

Willkommen in der Plapperbu:de

00:01:35

Einleitung

00:02:29
  • Fragestellung:
    • Wieso ist der Glaube an wissenschaftliche fragwürdige oder gar widerlegte Methoden dennoch für viele Menschen so attraktiv?
    • Beantwortung ist Voraussetzung für Aufklärung und Bekämpfung der Folgen von Aberglauben.
  • Homöopathie
  • Impfgegnerschaft
  • Esoterische Heilversprechen
    • zahlreiche Heilmethoden ohne Wirknachweis, die zum Teil einfach in Lifestyle übergegangen sind
    • Reiki, Chakrenmassage, Aromatherapie, Heilsteine, Fengshui ...
    • werden i.d.R. nicht von Krankenversicherungssystem getragen.
      • vgl. Osteopathie (Universitäres Studium) , Einzelne Methoden der Physiotherapie , Professionelle Zahnreinigung, Paar- und Familientherapien, Fußpflege, Sehhilfen, Beißschienen, Schwangerschaftsabbruch, Sterilisation => keine Kostenübernahme, es sei denn bescheinigte medizinische Notwendigkeit.
    • Keine Überwachung, was in sog. homöopath. Anamnesegesprächen passiert, z.B. fragwürdige Diagnose oder magische Auswahlmethoden für angebliche Wirkmittel.
    • Revitalisierungsexlixier von Simpson & Sohn
    • WDR-Radiofeature über Scharlatanerie der heilpraktischen Krebsbehandlung

Typische Kennzeichen

00:30:09
  • Breite, undifferenzierte Gültigkeit
  • Keine oder kaum überprüfbare Theoriegerüste
    • Transzendenz, magisches Denken, religiöse Setzungen
    • nicht operationalisierbare Konstrukte (z.B. energetische Balance, positive Energie, Strahlung, göttlicher Segen, Lichtnahrung)
      • nicht (intersubjektiv) sichtbar, nicht messbar
      • basieren ausschließlich auf Vorstellungskraft
      • passen in bereits bestehendes Wunschdenken.
  • Glaube an Konzepte wird oft als notwendiger Wirkfaktor angenommen und als Totschlag-Erklärung von Wirkversagen eingesetzt

Wahrnehmungsbias

00:36:13
  • Aufmerksamkeit ist selektiv
    • z.B. vermeintliche Häufung von Ereignissen wie Krankheiten, Todesfälle, Verkehrsunglücke etc. (aber auch Hochzeiten ...)
    • emotionale Relevanz (im Bsp. Bedohung/Angst) steuert Wahrnehmungsschwelle
    • auch Wunschdenken beeinflusst Aufmerksamkeit
  • Entsprechend entdecken wir in der Welt eher Dinge, die unsere Erwartungen bestätigen
  • Keine Suche nach Alternativerklärungen, wenn erste Erklärung plausibel
  • Vermutlicher evolutionsbiologischer Vorteil emotionaler Aufmerksamkeitssteuerung

Funktionalität

00:42:54
  • Menschliches Verhalten ist individuell logisch, d.h.
    • erfüllt für die Person einen mehr oder weniger offensichtlichen Zweck (Motiv)
    • dient der Reduktion von Spannung bzw. Herstellung von emotionalem Gleichgewicht
    • auch irrational wirkendes Verhalten ergibt innerhalb des jeweiligen Bedeutungsrahmens Sinn
      • Evtl. schwierig zu akzeptieren, gilt aber auch für Abgründe menschlichen Verhaltens
      • Effektive Bekämpfung solchen Verhaltens setzt dieses Grundverständnis voraus

Dissonanztheorie

00:48:41
  • Wikipedia über kognitive Dissonanz
  • Wenn zwei Annahmen, Wahrnehmungen, Informationen widersprüchllich
    • Dissonanz == innere Spannung
    • wird als aversiv/leidvoll erlebt
  • Spannung will stets abgebaut werden
  • Wenn zwei Ziele/Motive unvereinbar, werden Informationen oder Interpretationen angepasst
    • Anpassung der Realitätswahrnehmung oder Überzeugungen an die Bedürfnisse.
    • Kann erklären, warum Menschen entgegen ihrer offensichtlichen Positionen handeln
      • z.B. in weltoffenen alternativen Stadtteilen Initiativen gegen Geflüchtetenunterkünfte
      • sich christlich definierende Menschen Flüchtende auf dem Mittelmeer ertrinken lassen

Religiöse Prägung

00:54:41
  • Gewöhnung an dogmatische, nicht überprüfbare Setzungen
  • Gewöhnung an gesellschaftlich alternativlose Traditionsübernahme
  • "Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als die Menschheit sich träumen lässt"
    • hohes Ansehen in Bildungsbürgertum
    • schließt Lücke zwischen religiöser Prägung und Skeptizismus der Aufklärung
  • Esoterik == DIY-Religion bzw. Gemischtwaren-Religion
    • pseudo-emanzipatorische Alternative zur christlichen Kirche (autoritäre Doktrin)
    • und zu Determinismus der Wissenschaft
    • abergläubische Selbstermächtigung zur Erklärung der Welt == Kontrolle

Romantisierung

01:03:53
  • Idealisierung des edlen Wilden
    • als ursprünglich
    • vergessenes Wissen
    • Geheim-Medizin, deren Kenntnis über Unwissende erhebt (Selbsterhöhung)
    • Jugendliteratur des 20. Jahrhunders wie die Bücher Karl Mays
  • Gefühl der Entfernung der Zivilisation von Natur
    • Mensch wider die natürliche Ordnung
      • siehe auch Ökologie-Bewegung
      • Schuldgefühle (ggf. auch religiös)

Sicherheitssignale

01:11:42
  • kollektive Vertrauenskriterien und Heuristiken/ positive Vorurteile
    • Weiße Kittel und Arzthabitus: Beim Status der Medizin mopsen
    • Konzept Tablette als nicht-invasive, schmerzfreie Behandlungsmethode

Elitarismus und Spezialisierung

01:16:18
  • Polarisierung zwischen Wissen und Unwissen
    • Enormer wissenschaftlicher Fortschritt des 20. Jhd immer elitärer
    • Gesellschaften haben sich dem Tempo nicht angepasst.
    • Zugang zu Wissensquellen nicht kongruent zu Zugang zu Medien
      • (Fast) Jede hat Internet, aber nur universitär beschäftigte Zugang zu Originalstudien
      • Gute Wissenschaftsliteratur teuer und oft auf enges Fachpublikum zugeschnitten
      • Populär-Literatur von ökonomischen Verwertungsinteressen abhängig
      • Argumentation, dass Internet Zugang für alle bedeute, scheitert schon an Produktions-/Dienstleistungsverhältnissen.
        • Wissen aufnehmen, verarbeiten und integrieren, geschweige denn selbst nutzen, erfordert vor allem Zeit.
        • Abgehängte haben zum Teil Zeit, sind aber überwiegend mangelhaft ausgebildet und leiden unter niedrigem Selbsteffektivitätsgefühl (mangelndes Empowerment)
    • "Gebildete"
      • begrenztes Spezialwissen
      • darüber hinaus vereinfachtes Autoritätswissen.
  • "Spezialist*innen" erklären Behandlungen oft nicht bzw. nicht hinreichend verständlich
    • Gewöhnung an Autoritätswissen und "blindes" Vertrauen von Kindheit an
    • erschwert erheblich die Unterscheidung guter und schlechter Ratgeber*innen
    • komplexe physiologische Erklärungen oft komplizierter für Laien als die "magischen" Alternativen
      • Kompetenz-Erleben durch vereinfachtes, magisches Wissen.
      • Besonders attraktiv wenn Erfolg in tatsächlichen Wissenschaften unerreichbar.

Bindung

01:36:08
  • Harmoniebedürfnis: Wunsch nach Übereinstimmungen mit Nahestehenden. (Siehe Dissonanztheorie)
  • Bereitschaft, hochgeschätzten Personen zu glauben.
  • Lange Traditionen bestimmter Überzeugungen
    • Alter bereits Beweis als "bewährt"
    • Fußen teilweise auf älteren Weltanschauungen
    • z.B. Antisemitische Rassenlehre behauptete bereits 1881, dass Impfen eine Erfindung jüdischer Ärzte zur persönlichen Bereicherung sei.

Meine eigenen Erfahrungen

01:42:33
  • Leicht aus der Erkenntnis überheblich auf die "Verblendeten" herab zu blicken.
  • Aber Rückblick auf mein eigenes Leben erinnert mich daran, wie anfällig ich selbst für Fehlschlüsse und "Glauben" bin.
    • Christliche Prägung (Einfluss Eltern)
    • Vereinfachtes "die da oben" durchaus auch im Elternhaus
    • Homöopathie Erfolgserfahrung: keine OP im Abi
    • Wunsch nach Kontakt mit Menschen aus hoch bewerteter Gruppe - nach Konformität mit Non-Konformist*innen
    • Freundin zwischen Esoterik und Wissenschaft (Opportunismus)
    • Begeisterungsfähigkeit und Überzeugung für verkürzte Konzepte, Suche nach Kontrolle und Antworten.
    • Psychotherapeutische Geschichte beruhte lange mehr auf Tradition und Autoritätsgläubigkeit als auf Wissenschaftlichkeit.
      • DLFKultur-Podcast zu Einfluss von Vätern auf Töchter
      • Psychoanalytische Überzeugungen als wissenschaftlicher Standard dargestellt, die auch Weltanschauungen aus Entstehungsgeschichte mittransportieren.
      • Frühe psychologische Theorien kranken an ähnlichen Schwächen wie hier dargestellte pseudowissenschaftliche Glaubenssysteme: Unüberprüfbare Axiome und Vorhersagen, Verzicht auf Wirksamkeitsnachweise, Externalisierung von Therapiemisserfolg in Patient*inneneigenschaften
      • Wirkt Psychotherapie über den Placebo-Effekt hinaus?

Fazit

02:12:08
  • Dank an ausdauernde, manchmal auch streitsame Menschen, die mir geholfen haben
  • Respekt, Geduld, Toleranz
  • Diaspora, Mastodon und zahllose Podcasts als wertvolle Quelle korrektiver Informationen
  • Richtig, sich gegen Vertreter*innen des Aberglaubens und der kognitiven Verzerrung konsequent abzugrenzen
  • Dennoch auch wichtig, um jede einzelne, die ihnen aufsitzt, zu kämpfen.
    • Wenn auch manchmal sehr schmerzhaft und überfordernd
  • Nicht in der Gruppe, sondern mit der/m Einzelnen
    • dabei auch die hier diskutierte Faktoren berücksichtigen.
    • Bindung/Vertrauen am Wichtigsten: Öffnet Menschen für Neues, Abweichendes, Schritt ins Ungewisse
  • Erinnern, warum Menschen der Irrationalität folgen
    • Eigene Erfahrungen berücksichtigen: Was hat mir selbst beim Korrigieren, beim Ändern geholfen.

Verabschiedung und Dank

02:21:46

Outro

02:23:04

PLBD005 Elternschaft und Emanzipation

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Shownotes

Willkommen in der Plapperbu:de

00:01:36

Triggerwarnung

00:02:14
  • Julia und ich werden uns heute über Elternschaft, damit verbundenen Druck und Auswirkungen auf Erziehung und Gesundheit unterhalten. Damit werden in unserem Gespräch erhebliche Belastungen angesprochen, die auch viele von Euch, unseren Zuhörer*innen, auf die eine oder andere Weise beinträchtigen werden. Das Gespräch oder Teile davon können also geeignet sein, Eure Stimmung negativ zu beeinflussen oder bereits vorhandene Belastung verstärken.
  • Achtet also vor dem Hören dieser Folge bitte genau darauf, ob Ihr in einer ausreichend stabilen Verfassung seid. Macht beim Hören immer mal wieder eine Pause und prüft, ob Ihr noch genügend Kraft habt, um weiterzuhören. Solltet Ihr trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Achtsamkeit während des Hörens oder in den folgenden Tagen starke Belastung und Überforderung erleben, zieht bitte in Betracht, Euch kompetente Hilfe zu suchen. Unter www.telefonseelsorge.de findet Ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon. Persönlich könnt Ihr Euch an Eure Hausärzt*innen wenden oder direkt eine sogenannte Psychotherapeutische Sprechstunde bei einer Psychologischen Psychotherapeutin besorgen, um Euch dort fachgerecht beraten zu lassen, wie Ihr aus dem Tief wieder heraus kommt.
  • Anonyme Krisenberatung

Begrüßung und Vorstellung Julia

00:03:28

Julia stellt sich und ihren Erlebniskontext vor

00:05:02
  • Werdegang bis zur Promotion mit Familiengründung
  • Wochentags alleinerziehend in sehr arbeitsreicher Lebensphase
  • Privilegiencheck

Warum diese Sendung?

00:07:52
  • Nach Hören der Folge 4 bemerkt:
    • Sehr viel über Attachment Parenting gesprochen
    • Sehr wenig Zeit für die ursprünglich geplanten Meta-Themen
    • Viel Homer, viel zu wenig Julia (Danke für den Hinweis, liebe Freundin! 😉 )
    • Als es gerade interessant wurde, keine Zeit mehr

Elternschaft: Einflüsse, Erwartungen, Belastungen

00:12:01
  • Biologie und Sozialisation
    • Partner*innenschaftliche Geburtsvorbereitung inkl. Mythenbeseitigung
    • Die Cuteness von Neugeborenen und Zweifel an biologischem Determinismus
    • Kognitive oder/und hormonelle Bindung
      • Bsp. Adoption
      • All-Gender-Liebe für Kinder

Stillerfahrungen

00:24:24
  • Autonome körperliche Reaktionen auf Babys
    • Veränderungen im Aussehen von Frauen die entbunden haben - mehr als "nur psychisch"
    • Imagination des Babys beim Milch-Abpumpen
    • Milcheinschuss auch bei "Fremdbaby" vs. stillprobleme
    • Stillen als gesellschaftliches Tabu
      • Physische, bitter-süße "Belohnung"? (Julia: "Hormondusche")
      • Multiple Belohnungsfaktoren
    • Öffentliches Stillen und gesellschaftlicher Umgang
    • Stillfreundliche Cafés
    • Wo ja, wo nicht?
    • Sexuelle (männliche) Scham als Ursache von Tabuisierung
      • Weiblicher Oberkörper anstößig, männlicher nicht
    • Zur Objektifizierung von Frauen und geschlechtsspezifischen Doppelstandards:

Elternschaft über den Säugling hinaus

00:47:27
  • Externe, belastend empfundene Faktoren
    • Zeitlich begrenzte Schonzeit von gesellschaftlichen Verantwortungen, insbesondere Erwerbstätigkeit
    • Ab Kita wieder Verwertbarkeitserwartungen
    • Invalidierung von Beschwerdevermittlung
    • Geschlechtsspezifische Unterschiede z.B.:
      • Vater wird auf Erwerbstätigkeitserwartungen beschränkt, muss sich nicht bezüglich Elternschaft rechtfertigen.
      • Mutter nur mit Kindern als "vollständig" wahrgenommen.
    • Unvollständige Beschäftigungsberechnungen durch Ausblenden von Fürsorgetätigkeiten
      • Auslagerung von Fürsorge-Arbeit auf ältere/andere Frauen zur Wiederaufnahme in Verwertungskette
      • Subjektiv teilweise unbefriedigende Reduktion auf repetitive Tätigkeiten, die zusätzlich schlechter bezahlt werden

Musik

01:00:36

Marginalisierung weiblicher Arbeit

01:02:35
  • Mangelnde Wertschätzung von Tätigkeiten durch nicht-egalitäre Arbeitsteilung
  • Mann als Drittes Kind: Seine Mängel fallen auf (Haus-) Frau zurück
  • Aufspaltung von Arbeit in sichtbare Handlung (anerkannt) und emotionale Funktion (unsichtbar, marginalisiert)
    • bewirkt gesellschaftliche Entwertung vorwiegend weiblicher Arbeit
    • Entwertung höherer Ausbildungen und Outsourcing an ungelernte Kräfte

Weibliche Emanzipation durch Idealisierung des Lebens des (weißen) Mannes?

01:14:30
  • Idealisierung von ("männlicher") Lohnarbeit und (Selbst-) Entwertung ("weiblicher") Arbeit
    • Begünstigung durch konventionelle Partnerschaftsmodelle
    • Dauerüberforderung durch 1 1/2 Personen-Jobs begünstigen traditionelle Modelle als "Lösung"
  • (Teil-) Feministische Entwertung von Fürsorge-Arbeit als unemanzipativ
    • 1 1/2 Personen-Job-Problem dadurch dupliziert
      • Versuch der Reproduktion des Lebens des privilegierten weißen Mannes
      • Im Kontrast zur fairen Verteilung von Privilegien
    • Lesehinweise
    • Erläuterungen zu 1 1/2 Personen-Job
      • Quantifizierung nicht beachteter Tätigkeiten (Gender-Care-Gap)
      • Subjektivierung/Individualisierung sich ergebender (Überforderungs-) Probleme
      • Romantisierung/Idealisierung von Mutterschaft
        • Selbst gewählt, daher kein Recht auf Überforderung, Hilfsbedarf oder Unglücklichsein
          • Zeit mit Familie und Haushalt als Genuss wegen freier Wahl (Julia: "Seele verkauft")
        • Unterkomplexe Erklärungsmodelle in Umwelt
      • Private Lösungen für systematische Probleme

Mansplaining, Invalidierung, Paternalismus. Beispiele

01:59:55
  • Absprechen von Kompetenzen durch Männer
  • Patriarchale Prägung von Wissenschaften

Bedeutung eigener Erfahrung für Beratungskompetenzen

02:11:17

Feminismus und Theologie

02:21:28

Verabschiedung

02:39:44
  • Danke Julia!
  • Feedback und Anmerkungen gerne auf Mastodon unter dem entsprechenden Toot mit dem Hashtag PlapperbudeRelease oder direkt auf dem Blog. Wir freuen uns!

Outro

02:45:00

PBLD004 Erziehung und Attachment Parenting

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Shownotes

Willkommen in der Plapperbu:de

00:01:35

Triggerwarnung

00:01:56
  • Im folgenden Gespräch werden Julia und ich uns über Erziehung unterhalten. Erziehung betrifft Kinder und hat historisch wie gegenwärtig auch ihre bitteren Schattenseiten. Das bedeutet insbesondere für jene Zuhörer*innen, in deren Biographie es mehr von diesem Schatten gab, dass diese Sendung sogenannte Trigger enthalten kann. D.h. alleine die Beschreibung und Bewertung bestimmter Situationen oder Themen kann in einzelnen Fällen zu starken oder überflutenden Erinnerungen oder Gefühlen führen. Achtet also vor dem Hören dieser Folge bitte genau darauf, ob Ihr in einer ausreichend stabilen Verfassung seid. Macht beim Hören immer mal wieder eine Pause und prüft, ob Ihr noch genügend Kraft habt, um weiterzuhören. Solltet Ihr trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Achtsamkeit während des Hörens oder in den folgenden Tagen irgendwelche belastenden Wahrnehmungen oder Empfindungen haben und sollten diese nicht nach kurzer Zeit wieder nachlassen, scheut Euch bitte nicht, Euch kompetent helfen zu lassen. Unter www.telefonseelsorge.de findet Ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon. Persönlich könnt Ihr Euch an Eure Hausärzt*innen wenden. Ihr könnt Euch aber auch eine sogenannte Psychotherapeutische Sprechstunde bei einer Psychologischen Psychotherapeutin geben lassen, um Euch fachgerecht beraten zu lassen, was Ihr weiter unternehmen solltet.
  • Anonyme Krisenberatung

Begrüßung und Vorstellung Julia Schmeer

00:04:08

Abstract

00:09:05

Problemstellung "Erziehung"

00:09:59
  • Julia
    • ist "wochentags alleinerziehend" mit zwei Kleinkindern.
    • Pädagogik im Studium und im persönlichen Umfeld.
  • Kindererziehung und ihre Relevanz für eine emanzipierte Gesellschaft.
  • Was stößt Dir an bedürfnisorientierter Erziehung auf?
    • Elterliche Überforderung mit und ohne idealisierte Trends.

Was ist bedürfnisorientierte bzw. bindungsorientierte Erziehung?

00:20:00
  • Attachment Parenting
    • Martha & William Sears
    • Geschichte
      • Zunahme der Wichtigkeit von Intuition und Körperkontakt im radikalen Widerspruch zu durch Krieg und Autoritarismus geprägten Methoden.
      • Johanna Haarer
        • Erziehungsberaterin im Dienste des Nationalsozialismus
        • Bis heute in "Intuition" deutscher Eltern eingebrannt
        • arbeitete bis 1965 in deutschen Gesundheitsämtern
        • (Wikipedia)
        • (Die Zeit-Artikel)
      • Ainsworth und Bowlby
        • Ausführliche Formulierung der Bindungstheorie Ende der 60er Jahre.
        • Hervorhebung der Bedeutung sicherer Eltern-Kind-Bindungen.
        • Fremde Situationen Test.
        • Bindungstypen.

"7 Baby-Bs" nach Sears

00:42:13
  • Körper und Augenkontakt zwischen Mutter und Kind sofort nach Geburt.
  • bedarfsorientiertes Stillen, statt Flaschenernährung.
  • "Babywearing" = möglichst häufiges Tragen des Kindes.
  • "Co-Sleeping" = gemeinsames Schlafen.
  • Jedem Schreien zuvorkommen: Ständige Beobachtung der Signale des Kindes.
  • 2001 hinzugefügt:
    • Verzicht auf Schlaftraining.
    • Balance der Bedürfnisse von Kind und Mutter.
      • Sears: Burnout der Frau (sic!) vorbeugen. Z.B. durch "Einbezug des Mannes" (sic!) .

Kritik des AP

01:03:18
  • Kein theoretisches Fundament.
    • Keine genaue Bestimmung der Grundbegriffe.
  • AP ignoriert empirische Befunde.
    • Idealisierung "Bauchgefühle" als "Instinkte".
  • Ruch rassistisch idealisierter Bilder von "natürlichen Wilden" und (unzutreffende) Tiervergleiche.
  • "Konzept der totalen Mutterschaft".

Diskussion der Baby-Bs und Kritik

01:22:00
  • Julias versprochene Anmerkungen und Einsprüche 🙂
  • Julias Selbstzweifel an ihrer Eignung zur Podcasterin
  • Buchempfehlungen Julia
    • Eugster, Gabi und Both, Denise: Stillen gesund und richtig. Gut vorbereitet ins Leben starten. München 2009
      • Stillratgeber (Zusammenfassung des Handbuch für die stillende Mutter der La Leche Liga)
    • Eugster, Gabi: Kinderernährung gesund und richtig. Expertenwissen und Tipps für den Essalltag. München 2. Auflage 2012
    • Eugster, Gabi. Babyernährung gesund und richtig. B (r) eikost und Fingerfood nach dem 6. Lebensmonat. München 3. Auflage 2014
  • keine absoluten Essregeln, sondern mit Blick auf den Erziehungsalltag auch kontrovers darstellend.

Unsere Zentrale Kritik an der Normsetzung der Baby-Bs und unsere Sichtweisen auf Bedürfnisse und Frustration

01:49:50
  • Von Marmeladenbroten und -armen und dem kindlichen Marmeladen-Erdnusskonflikt
  • Reifung setzt Konflikt und Bewältigung voraus
    • Kein Harmoniediktat, kein 7Baby-B-Tamagotchi
  • Totschlag-Argument gegen Instinkt-Idealisierung
  • Reflektion und Affektregulation als elterliche Kernkompetenz.

Die Modellfunktion von Eltern für ihre Kinder in Bezug auf Abgrenzung und Selbstfürsorge

02:15:00
  • Authentische Eltern als sichere Erfahrungswelt im Heranwachsen

Erziehung zum Systemkonformismus?

02:29:35
  • Der Vergleich mit den "Systemopfern" in der Psychotherapie und Homers emanzipatorische Grundhaltung in der Psychotherapie

Umgang mit Dissens

02:33:00
  • Solidarität mit anderen Eltern? Oder Mut zum Streit mit Bauchgefühl-Apologet*innen?
  • Nix is schwarz-weiß, aber es gibt schon fundierte Zwischen-Erkenntnisse, die es zu würdigen gilt.
  • Sympathiegewinnung im Konfliktfall

Zum Ende kommen ....

02:39:49
  • Spannung auf Reaktionen

Verabschiedung

02:41:00
  • Danke Julia!

Outro

02:42:02

PLBD003 Sind Antidepressiva wirksam?

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Shownotes

Triggerwarnung

  • Auch wenn es in der vorliegenden Folge nur um Medikamente geht, werden in ihr auch Themen und Situationen angesprochen, die belastend wirken können. Das bedeutet insbesondere für jene Zuhörer*innen mit psychischen Belastungen, dass diese Sendung sogenannte Trigger enthalten kann, die diese Probleme zu verstärken vermögen. Achtet also vor dem Hören dieser Folge bitte genau darauf, ob Ihr in einer ausreichend stabilen Verfassung seid. Macht beim Hören immer mal wieder eine Pause und prüft, ob Ihr noch genügend Kraft habt, um weiterzuhören. Solltet Ihr trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Achtsamkeit während des Hörens oder in den folgenden Tagen irgendwelche belastenden Wahrnehmungen oder Empfindungen haben und sollten diese nicht nach kurzer Zeit wieder nachlassen, scheut Euch bitte nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unter www.telefonseelsorge.de findet Ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon. Persönlich könnt Ihr Euch an Eure Hausärzt*innen wenden. Ihr könnt Euch aber auch eine sogenannte Psychotherapeutische Sprechstunde bei einer Psychologischen Psychotherapeutin geben lassen, um Euch fachgerecht beraten zu lassen, was Ihr weiter unternehmen solltet.
  • Anonyme Krisenberatung

Willkommen in der Plapperbu:de

00:01:36

Metakram und Vorstellung des Themas

00:02:04
  • Die Folgen mit
  • müssen aus terminlichen Gründen gerade aufgeschoben werden, aber wir sind weiter am Ball.

DISCLAIMER

00:03:50
  • Ich bin als Psychologischer Psychotherapeut in freier Praxis kein aktiv arbeitender Wissenschaftler. Ich habe die Uni 2006 verlassen, habe selbst nie in der quantitativen Erforschung von Behandlungswirksamkeiten gearbeitet und mein beruflicher Alltag beschränkt sich auf die praktische Anwendung psychotherapeutischer Methoden. Ich bin also vielleicht am besten als "wissenschaftlich vorgebildet" zu bezeichnen, aber keinesfalls in der Lage, die Güte von Arbeiten vollständig zu beurteilen bzw. die eingesetzten Verfahren in ihren Einzelheiten zu erklären.
  • Für Hinweise, Ergänzungen und Korrekturen seitens in diesem Feld tätiger Kolleg*innen bin ich offen und jederzeit dankbar.

Widersprüche unter Fachleuten

00:05:26
  • irritierende Erfahrung, wenn Behandler*innen sich bezüglich der Notwendigkeit/Sinnhaftigkeit von AD widersprechen.
    • medizinisches vs. psychologisches Modell
    • Wissensstände schwanken zwischen wissenschaftlicher Informiertheit und Gläubigkeit

Der Status Quo

00:16:29
  • Mehrheit der Menschen mit depressiven Symptomen wird mit sog. Antidepressiva behandelt.
  • Psychiatrie (Fachrichtung der Medizin) : Erleben, Fühlen und Handeln folgt sämtlich aus Hirnfunktionen, die über Hormone/Neurotransmitter im Gehirn gesteuert werden.
  • Persönliche Anekdote

Wirken Antidepressiva denn nicht?!

00:24:23

Exkurs: Serotoninhypothese und SSRI

00:26:30

Der empirische Zwischenstand bis 2018

00:30:32
  • Kein empirischer Hinweis dass depressive Störungen von Serotoninspiegel abhängig.
    • Status: Serotonin steigernde, vermindernde und nicht beeinflussende Substanzen haben ähnliche Wirksamkeit.
  • Exkurs: Forschung mit Bildgebenden Verfahren
    • US Institut für geistige Gesundheit (NIMH)
      • 20 Milliarden Dollar für Bestätigung Neurotransmitter-Hypothese
      • Erfolglos: Neurophysiologische Ursachen psychischer Störungen weiterhin weitgehend ungeklärt.

Metastudien

00:36:52
    • Kirsch, Irving (1998) : AD wirken - allerdings kaum mehr als Placebos.
  • Freedom of Informations-Act zwingt 2008 Pharmafirmen ALLE bei Zulassungsforschung erhobenen Daten heraus zu rücken.
    • Sehr viel mehr Daten für Kirsch (2008)
  • Depressivitätsmessung mittels 54stufiger Hamilton-Depressionsskala (HAM-D) .
  • Fournier et al. (2010) replizierten Kirschs Befunde.

Aktuellste Metastudie Stand 2018

00:46:41
  • Cipriani, A. et. al (2018) . Comparative efficacy and acceptability of 21 antidepressant drugs for the acute treatment of adults with major depressive disorder: a systematic review and network meta-analysis.
  • Zusammenfassung Cipriani et al. (2018)
    • Über 500 Studien mit insgesamt über 100.000 Proband*innen mit mittlerer bis schwerer depressiver Episode.
    • 21 verschiedene Antidepressiva.
    • Therapieerfolg pro Teilnehmer*in definiert als 50% Symptomreduktion auf HAM-D über 8 Wochen (Responserate) .
    • Antidepressiva zwischen 42% und 53% Responserate. Placebo allein: 35%.
  • Ciprianis Darstellung bei Veröffentlichung
  • Bewertung der Cipriani-Studie

Fazit

01:00:11
  • Mehrwert von AD ungeklärt! Evtl etwas besser als Placebo.
  • Unterschiede können auch durch psychologische Effekte (Placeboverstärkung) gemittelt sein.
  • Neurotransmitterhypothese hat bisher keine empirische Grundlage
  • Nebenwirkung: Anregung des Vegetativums
    • Kann Angstsymptomatik verstärken bzw. auslösen.
    • Behauptete Aufhellung bei SSRI erst nach 2-4 Wochen erwartet, daher erhöhtes Suizidrisiko!
    • Für Menschen mit starkem Antriebsverlust ggf. extrem hilfreich.
    • Antriebsverbesserung könnte Teil der Wirksamkeit mancher AD aufklären.
  • Exkurs: Verstärkerverlust-Hypothese und depressive Spirale
  • Funfacts
  • AD als indiziert für Reihe anderer Störungsbilder zugelassen.
    • Interesse der Pharmabranche an neuen Indikationen für vorhandene Wirkstoffe
  • Zufällige Entdeckung SSRI

Switching

01:21:57
  • Eine Menge Pat. berichtet nach Wirkstoff-Wechsel signifikante Verbesserungen.
    • Allerdings auch hier Placebo-Effekt!

Was bedeutet das in der Praxis?

01:24:17

Don't call me Antidepressivum!

01:40:14

Verabschiedung

01:41:14

Outro

PLBD002 Traumafolgestörungen

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Shownotes

Willkommen in der Plapperbu:de

00:01:36

Methathemen

00:02:12
  • Themenliste
  • Danksagungen an Unterstützer*innen und die Entwickler*innen und Beitragenden zu all der freien Software, die mir dieses Projekt ermöglichen
    • @tom79
      • ist der Entwickler von fedilab (Android-App) und dem mastalab WordPress-Plugin
    • Spendenhinweis

Begriffsklärung

00:14:16
  • Von Traumatisierungen Betroffene werden in diesem Podcast nicht wie umgangssprachlich leider üblich als Opfer bezeichnet, sondern als Überlebende. Die Verwendung dieses Terminus hat gute Gründe, die im Verlauf der Episode erläutert werden.

Triggerwarnung

00:16:38
  • Gespräche über Trauma können für Überlebende zahlreiche Auslöser für posttraumatisches Wiedererleben enthalten. Diese Auslöser sind extrem individuell, vielgestaltig und situationsabhängig, sodass eine vollständige Vermeidung nicht möglich sein wird. Prüfe vor dem Hören dieses Podcasts, ob Du zur Zeit hinreichend stabil bist. Wenn Du Dich in den letzten Tagen oder Wochen verletzlich gefühlt hast oder es mit Deinen Gefühlen ein starkes Auf und Ab war, solltest Du erwägen, das Hören dieser Episode bis zu einem angemesseneren Zeitpunkt aufzuschieben. Auch wenn Du Dich bisher noch nie mit Trauma beschäftigt und das Thema nicht mit dir in Verbindung gebracht hast, kann es plötzlich zu starken unerwarteten Gefühlen und Empfindungen kommen, die erhebliche Angst und Kontrollverlust in Dir auslösen könnten. Auch könnte es im Nachgang des Anhörens zu belastenden Symptomen oder Wahrnehmungen kommen. Gerate dann nicht in Panik. Es ist möglich, sich bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen einen sogenannten Sprechstunden-Termin abseits der üblichen langen Wartezeiten zu besorgen, um die erlebten Symptome zu beschreiben und sich ausführlich beraten zu lassen.
  • In vielen Städten und Regionen gibt es außerdem auf Trauma und Gewaltüberlebende spezialisierte Beratungsstellen oder an Kliniken angebundene Ambulanzen, die Dir bei der Einordnung Deiner Erlebnisse helfen können.

Literaturhinweise

00:25:29
  • Gute Übersicht zu PTBS in:
    • Ehlers, A. (1999) , Posttraumatische Belastungsstörung, Fortschritte der Psychotherapie Bd. 8, Hogrefe: Göttingen
    • (Kauf-Link)
  • Sehr gute und laientaugliche Einführung in
    • Huber, M. (2003) , Trauma und die Folgen Teil 1, Junfermann: Paderborn
    • (Kauf-Link)
  • Übersichtsartikel im aerzteblatt

Warum eine Episode über Traumafolgestörungen?

00:28:38

Was ist ein Trauma?

00:40:40

Was ist eine PTBS?

00:50:10
  • Posttraumatisches Wiedererleben
  • Hyperarousal

Das Traumagedächtnis

01:00:35
  • Exkurs Expositionstherapie bei Angststörungen
  • Zurück zum PTBS-Modell
  • Freeze and Fragment statt Fight or Flight#t

Dissoziation

01:21:52
  • Großer Themenkomplex --> Wird ausgelagert auf ggf. eigene Episode

Vermeidung und Progression

01:23:56

Eine PTBS kommt selten allein

01:28:38

Versteckt, Verdeckt, Verdrängt

01:31:31

Die ewige Bedrohung

01:38:27
  • Gedankenvermeidung mit dem blauen Elefanten
  • Das Überleben wird nicht erinnert
  • Forshortened Future
  • Hyperarousal
  • Beziehungsstörungen und Konflikte

Misstrauen und Scham

01:47:30

Faktoren der Schwere von Traumafolgestörungen

01:49:23

Therapie

01:58:40

Unzureichende Kompensation

02:24:56

Gesellschaftliche Erhaltungsfaktoren

02:29:00
  • Schweigen brechen
  • z.B. MeToo
  • z.B. über Patriarchat, Gender, Macht und Gewalt

Verabschiedung

02:35:05
  • Bitte um besondere Vorsicht und Fingerspitzengefühl bei Kommentaren zu diesem Thema

Outro

02:40:05

PLBD001 Soloflug: Der Pilot ist da!

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Monolog, Redaktion und Produktion
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Shownotes

Willkommen in der Plapperbu:de

00:01:35

Die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit

00:07:53

Stand der Emanzipation 2019

00:17:23
  • Antiemanzipation auf dem Vormarsch
  • Was ich eigentlich meinte war "transatlantische" und sagen wollte ich: Ich vertiefe mich nicht mehr so sehr in US-Politik.

Die Rolle der Psychologie und Psychotherapie

00:37:25
  • u.a. Arbeit an grundlegenden Defiziten von Menschen, die sich über Leben hinweg langfristig schädlich auswirken.
    • Im Podcast vergessen zu formulieren: Psychotherapie ist in meinem Verständnis per definitionem ein emanzipatorisches Projekt. Daher der Querbezug.

Versäumnisse wirken sich auch auf politischer Ebene aus:

00:46:44
  • Traumatisierung, Vernachlässigung, Unterlassene gesellschaftliche Hilfeleistung, transgenerationale Weitergabe von Traumafolgen

sanktionsorientierte Gesellschaft

00:59:30
  • Gesellschaft scheitert an der hinreichend schnellen und genauen Integration wissenschaftlich-fachlicher Erkenntnisse, da an unmittelbaren Profiten (Kapitalismus) orientiert.

Fazit

01:12:56
  • Psychologische Perspektive auf behandelte Themen
  • Evtl. Ausflüge in spezifische psychologische / psychotherapeutische Themen
  • Aus aktuellen Anlässen aber auch Folgen zu politischen Themen ohne diesen Bezug möglich
  • Ideen und Vorschläge zu Themen oder auch Angebote für Interviews/Gespräche/Diskussion herzlich Willkommen
  • Projekt kontinuierliche Beta-Version 🙂 Änderung in Ausrichtung oder Gestaltung nicht ausgeschlossen.