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Schlagwort: Marginalisierung

PLBD012 Irgendwie mit Juna

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Mitwirkende

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Homer S.

Shownotes

Vorwort


Herzlich Willkommen zur 12. Ausgabe der Plapperbude. In dieser Episode unterhalte ich mich ohne Skript und Themenvorgabe mit der Autorin Juna Grossmann. Juna hat 2018 ihr Buch “Schonzeit vorbei” veröffentlicht. Bereits zuvor und darüber hinaus verbloggt sie ihre Perspektive unter irgendwiejuedisch.de. Im Gespräch berühren wir unter anderem die Themen Corona-Pandemie, Rassismus, Antisemitismus und Marginalisierung insgesamt. Das Gespräch wurde aufgenommen am 30.06.2020.

Anmerkungen und Fragen zur Episode könnt Ihr wie immer direkt auf plapperbu.de, unter dem Veröffentlichungs-Toot auf Mastodon oder in der Plapperbude-Matrix-Community loswerden.

Nix mit mehr Zeit!

Juna:

  • Entlastung durch Ausfall von Veranstaltungen: Brauchte ne Pause.
  • Sorge um Freunde
    • deren Buchveröffentlichungen in die Pandemie fielen
    • die erkrankten – ernste Covid19-Erkrankungen, Risikogruppe
  • Museenschließungen: Kein Urlaub für Mitarbeiter*innen
    • Laufende Prozesse müssen geregelt werden
    • Unterschiede, wie sich Einrichtungen um die verschiedenen Beschäftigten kümmern
    • Mehr Anfragen von Menschen weil Archive zu und offenbar mehr Zeit als sonst für Nachforschungsthemen.
      • SocialMedia-Verantwortung darunter deutlich gestiegen.
    • Mehrere Jahrestage fielen in die Zeit, die durch EInschränkungen nicht einfach wegfielen.
  • Ergebnis: Sogar Überstunden Museeum ist mehr als nur Besuchszeiten.

Homer:

  • Ähnliche Phänomene in Praxisbetrieb
    • Technik-Aufbau für Video-Sprechstunden
      • Hardware auftreiben in Mangelzeiten
      • Hinreichende Bandbreite auf allen Seiten
    • Formalia, Datenschutz, Bürokratie im Eilverfahren
  • Am Ende mehr Arbeit als sonst …Keine zusätzlichen Bücher gelesen …

Vorzüge in Pandemie

  • So viel stiller draußen in der Stadt. Viel weniger Autos.
  • Luft klarer.
  • Tiere kehren zurück …
  • Leben ohne Auto angenehmer unter Ausnahmebedingungen.
  • Gesellschaft verpasst die Chance auf Veränderungen, die Pandemie hätten anstoßen können (Verkehr).
  • In Berlin deutlich mehr Räder unterwegs.

Sozialverhalten in der Pandemie

Marginalisierte Gruppen

  • Mangelnde Rücksichtnahme und Interesse auch aus anderen typischen Bereichen von Marginalisierung bekannt
  • Leugnen, bewusste Ignoranz, Schutzbehauptungen, Tokenismus
  • Problem mangelnder Repräsentation

Rolle eigener Sozialisation

  • Janusz Korczak https://de.wikipedia.org/wiki/Janusz_Korczak
  • Informationsaufwand heute deutlich geringer als noch vor 30 Jahren:
    • Bücher, Podcasts etc. zu verschiedenen Aspekten von Marginalisierung
    • Lust und die Neugier auf das Kennenlernen neuer Perspektiven (Vorsichtige Ankündigung eines neuen Medienprojekts)
    • Einwand beschränkter Erfahrungswelten und damit verbundener Werte und Interessen.
  • Rolle von Othering auch bei Ignoranz der Weißen.
  • Über Mechanismen und Reflexe, die Marginalisierung erhalten.

Twitter bzw. andere Netzwerke

  • Während Covid19 an frühe Zeiten von Twitter erinnert:
    • Unterstützend, solidarisch …
    • … aber nicht lange.
      • oft Kämpfe im großen Verband: Herrschende Clique bestimmt, wer jetzt dran ist. An Schulhof-Mobbing erinnert.
      • “Twitter ist nicht gut für die Seele” wg. der dort etablierten Feindseligkeit.
  • Was können welche Netzwerke weswegen leisten bzw. nicht leisten?
    • Systematische Unterschiede und unerfreuliche Entwicklungen mit der Zeit und Größe eines Netzwerks
    • Schulhofgefühl (s.o.)
    • Frustkübel Twitter – die schlechte Laune rauslassen. Formt die Gesamtstimmung des Netzwerks.
    • Netzwerk als Werkzeug(e), dessen Form seine Nützlichkeit bestimmt
      • Bsp. Content Warnings als Mittel zum Autonomiegewinn
    • Subjektive Bedeutung des Online-Lebens abhängig von Lebensumständen
  • Ich-Orientierung und mangelnde Perspektivwechsel

Erfahrungen aus Junas Lesungen

  • Menschen begreifen selbst nach den rezitierten Geschichten die Bedeutung und Gegenwart von Antisemitismus nicht.
  • Gewöhnung an Diskriminierung
  • Anekdoten

Wahrnehmung von “Andersheit”

Umgang mit Diskriminierung und Marginalisierung

Jüdisches Leben in D

Abschied und Dank

Feedback-Hinweis

Mastodon-Account der Plapperbu:de https://social.tchncs.de/@Plapperbude
Matrix-Community der Plapperbu:de https://matrix.to/#/+plapperbude:ismus.net

Tonquellen

Intro und Outro:

Intermission entstammt:

PLBD010 Content Warnings

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Mitwirkende

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Homer S.

Shownotes

INHALTSWARNUNG

00:00:01
  • Die vorliegende Episode beschäftigt sich mit dem Umgang einer sich selbst als "normal" definierenden Mehrheitsgesellschaft mit marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Insbesondere, wenn Du zu einer dieser Gruppen gehörst, kann dich der Inhalt emotional aufwühlen oder andere Belastungen auslösen oder verstärken. Prüfe bitte vor dem Anhören, ob Du Dich gerade in der Lage fühlst, Dich mit Diskriminierungs~ und Ausgrenzungserfahrungen auseinanderzusetzen. Andernfalls kannst Du das Anhören auf einen späteren, stabileren Zeitpunkt verschieben. Wenn Du Dich für das Anhören entscheidest, prüfe zwischenzeitlich Deinen Zustand und Deine Energieressourcen und erlaube Dir, das Anhören regelmäßig zu unterbrechen und Dir ausreichend lange Pausen zu gönnen. Ein wesentlicher Vorteil von Podcasts ist schließlich, dass sie Dir nicht weglaufen 🙂 Es kann auch hilfreich sein vorab zu prüfen, ob dein soziales Unterstützungsnetz (Freund*innen, Behandler*innen, Begleiter*innen, Krisentelefon etc.) im Notfall zeitnah verfügbar ist.

Vorwort

00:09:31
  • Jahre alte Debatte/Streit über Sinn und Unsinn von Inhaltswarnungen
    • Entbrennt in regelmäßigen Abständen insbesondere in sozialen Netzwerken
    • Unversöhnliche Positionen, die zu Zerwürfnissen, Block-Orgien und Invalidierungen führen
    • Auseinandersetzung bleibt oft oberflächlich auf Basis von Halbwissen
      • z.B. häufig verbreitete Folge eines Podcasts mit drei weißen Männern als Kronzeugen gegen die Forderung nach Inhaltswarnungen.
    • Mehrheit bewegt sich auf Kontinuum zwischen teilweisem Unverständnis für weitreichend erscheinende Forderungen und der kategorischer Ablehnung.
    • Natürlich unwahrscheinlich, dass sich "Hardliner*innen" überzeugen lassen wollen.
    • Aber für Ambivalente, Wohlwollende mögen ergänzende Informationen zu Inhaltswarnungen für eine Bereitschaftsänderung ausreichend sein.
  • Dazu möchte ich aus meiner Perspektive eines psychotherapeutischen Praktikers, versuchen beizutragen.

Was sind Inhaltswarnungen?

00:20:13
  • Stichworte für Themen, die als besonders belastend für alle oder bestimmte Gruppen bekannt sind.
  • Aber auch Thematische Hinweise, auf Themen, die nicht allgemein als belastend anerkannt sind.
    • Ggf. als Serviceleistung an die Gesamtheit, um in großer Informationsmenge schneller gewünschte von aktuell unerwünschten Inhalten zu trennen.
  • Ausführungen beziehen sich vor allem auf CW im Rahmen sozialer Netzwerke,
    • die sich in der technischen Unterstützung stark unterscheiden
  • CW können aber vor jede Art von Kommunikation geschaltet werden, bei Vorträgen, Podcasts, Filmen, Büchern, Artikeln, Blogeinträgen etc.

Was sind Trigger?

00:26:35
  • Traumafolgestörungen
    • Begriff "Trigger" spielt wichtige Rolle in Kontext von Traumafolgestörungen.
    • Dort können im langjährigen Verlauf sogar völlig neutrale Reize mit Bruchstücken von Traumaerinnerungen verknüpft und so zu Auslösern unfreiwilligen Wiedererlebens werden.
    • Spezifischere Reize haben aber weiterhin höhere Auslöse-Wahrscheinlichkeit.
  • Dysfunktionale Schemata
    • Auch sog. frühe dysfunktionale affektive Schemata können "getriggert" werden.
    • Das sind in Kindheit und Jugend erworbene Erlebensmuster bzw. Erinnerungen an nicht günstige bewältigte emotionale Überforderungserfahrungen.
    • Ähnliche Situationen oder starke ähnliche Gefühle können diese Schemata auslösen, die sehr leidvoll erlebt werden und zu unangemessenem Bewältigungsverhalten führen.
  • In beiden Fällen steigen Belastung und Überforderung sprunghaft an und lösen eine Krise aus, die von Stunden bis zu Wochen oder Monaten anhalten kann.
  • Chronische Belastungen
    • Chronische Belastungen beschreibt unspezifisch ein breites Feld von Eigenschaften oder Bürden, die in unserer Welt diverses Leid bedeuten können.
    • Chronische Erkrankungen, Behinderungen, Hautfarbe, Geschlecht/Gender aber auch bedürfnis- oder verhaltensbezogene Abweichung von der Normgesellschaft erfüllen dieses Kriterium.
    • Die stetige Konfrontation mit den Ausgrenzungs- und Marginalisierungsmechanismen ihrer Umgebung frisst andauernd an ihrer Energie, ihrer Lebensfreude, ihren materiellen Ressourcen, was zu immer weiterer Benachteiligung im Vergleich zur privilegierten Normgesellschaft führt.
  • Beispiele für die Lebensrealität von Menschen mit chronischen Erkrankungen findet Ihr in den Folgen 7-9 der Plapperbude
  • nähere Erklärungen zu Traumafolgestörungen in
  • Mehr zu den Konsequenzen von Rassismus empfehle ich die Lektüre von
    • Eddo-Lodge, R. (2019) . Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche (1. Aufl.) . Tropen.
  • zu denen von Antisemitismus in Deutschland
    • Grossmann, J. (2018) . Schonzeit vorbei (1. Aufl.) . Droemer Knaur.

Betroffene

00:39:01
  • Inhalts~ oder Triggerwarnungen geben den Betroffenen vorgenannter Gruppen Kontrolle über ihre aktuelle Belastung.
  • Die ausgewogene Steuerung aus Konfrontation und Stabilisierung ist Basis jeder qualifizierten Behandlung ggf. vorliegender psychischer Leiden.
    • Überforderung verschlimmert das Leiden, Langfristige Vermeidung ebenfalls.
    • Nur ein Gleichgewicht, dass beide Pole meidet ermöglicht erfolgreiche Bewältigung
    • Oft pendeln Betroffene aber zwischen den Polen und bestimmen ihr Handeln nur sehr eingeschränkt selbst. Diese Selbstbestimmung setzt Entscheidungsmöglichkeiten voraus.
  • Das Fehlen von Entscheidungsmöglichkeiten verhindert somit die Teilnahme an Kommunikation, die diese Notwendigkeit verweigert.

Solidarische

00:45:57
  • Durch fehlende Rücksichtnahme werden Betroffene bereits aus dem Diskurs gedrängt bzw. werden ihre Forderungen invalidiert, sie als Person ggf. diskreditiert.
  • Solidarische Menschen versuchen entsprechend diese Lücke zu kompensieren, indem sie sich stellvertretend in die Auseinandersetzung begeben. Daraus folgen einige Problem.
    • Betroffene sprechen dadurch ggf. erneut nicht für sich, werden auch von Solidarischen zu wenig gehört und so trotz Fürsprache marginalisiert.
    • Solidarische verkennen ggf. die Unvollständigkeit ihrer Perspektive, da sie nicht auf Erfahrung sondern empathischem Nachempfinden beruht.
    • Invalidierung Betroffener als abhängig, defizitär, ungenügend.
  • Generell sind sie aber erforderlich, um die Marginalisierung durch Feindselige oder Gleichgültige zu überwinden.

Gegner*innen

00:51:54
  • entstammen überwiegend Populationen, die maximal einen Marginalisierungs-Faktor auf sich vereinen:
    • Deutsche Twitteria
    • Tech-Bros
    • Podcast-Szene
  • sind allein durch Zugehörigkeit, Einbindung in solche Gruppen wiederum privilegiert / in einer Mehrheit.
    • Bekanntes Problem: Wer privilegiert ist sammelt dadurch tendenziell immer mehr Privilegien an, wer von Marginalisierung betroffen ist, wird über die Zeit von immer mehr Marginalisierung betroffen.
      • Populärstes Beispiel: "Die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich".
  • Selbstbild: aufgeklärt und unheimlich bewusst, mitfühlend und tolerant. Was im relativen sozialen Vergleich vermutlich sogar Bestätigung findet.
    • Forderungen Marginalisierter an sie sind in ihrer wichtigen und unglaublich beschäftigten Welt nicht vorgesehen. Sind ein Frevel am positiven Selbstbild.
    • Forderungen stören den eigenen Flow und Bedürfnisse nach Effizienz.
    • In der ablen "Macher~Welt" sind Zuhören und Verstehen zu langsam. Beschäftigung mit Problemen ist lästig, stört, hält auf. Entsprechend um (vermeintliche) Lösungen oder Ratschläge nie verlegen.
      • Sehr Techi~typisches Problem und einer Zeit geschuldet, in der Einzelpersonen alleine Programme entwickelten und nicht auf Kooperation angewiesen waren.
  • wenig bis keine substanzielle Einblicke in die Lebensrealität marginalisierter oder eingeschränkter Menschen == "toter Winkel"
    • strukturelle Benachteiligungen oftmals kaum bewusst, wenn dann sehr oberflächlich
    • Unterschätzung begleitender sozioökonomischer Privilegien (zumindest der Herkunft und dem Ausbildungsgrad nach) .
      • Bedeutung der Verfügbarkeit von Ressourcen zur Diskursteilnahme und damit Macht in der diskursiven Auseinandersetzung mit Marginalisierten.
      • Aus Gewöhnung an eigene privilegierte Umwelt folgt der Anspruch auf Definitionsmacht, was angemessene Forderungen an sie sind.
      • selbst wenn Menschen mit Marginalisierungsgrund persönlich bekannt, handelt es sich dabei i.d.R. um 'relativ Privilegierte', d.h. deren Kompensationschancen am höchsten sind. Diese eigenen sich oft optimal als Token.
      • entsprechend können auch eigene ggf. überwundene Belastungen zur Delegitimierung von Forderungen anderer Betroffener ins Feld geführt werden.
        • Ohne jede Differenzierung und unter Ausblendung der eigenen relativen Privilegien (Intersektionalität)
  • Alles Leiden entsteht aus Anhaftung oder Unwissenheit.
  • Übersetzt: Gier, Egozentrik, Abhängigkeit und schlichter Mangel an Information (z.B. Mangels vergleichbarer Perspektive oder Kontakt) .
  • Gegen die ersten drei kann ich hier wenig tun. Aber neue Informationen kann ich vielleicht liefern.

"Die Welt ist nun mal so!"

01:10:07
  • Das Verbergen in der Realität auftauchender Inhalte oder Objekte sei nutzlos, weil sie sich ja eben nicht vermeiden ließen.
  • Suggeriert ein Schwarz~Weiß~Bild von Realität, die vollständig determiniert sei. Negiert die Steuerbarkeit von Belastungen auf Kontinuen sowie abhängig davon den Sinn von Schutzräumen für Schutzbedürftige.
    • Meist nur für das gerade opportune Thema. Bei anderen Themen wird das oft zugestanden.

"Kein Beweis für Wirksamkeit"

01:13:30
  • Es gibt zu diesem Bereich insgesamt wenig belastbare empirische Forschung ~ aus diversen Gründen
    • Content Warnings an sich sind ein vergleichsweise junges Konzept - schon weil auch Internet-Netzwerke an Forschungszeiträumen gemessen sehr jung sind.
    • Marginalisierungen werden selbstverständlich auch in Forschungskontexten marginalisiert - schon allein weil auch die Forschenden im Schnitt weit weniger Marginalisierungen ausgesetzt sind als die Restbevölkerung. Mehrfach Marginalisierte schaffen es i.d.R. erst gar nicht in akademische Zusammenhänge.
    • aus dem selben Grund ist die Forscher*innen-Perspektive in den wenigen vorliegenden Arbeiten oftmals eine wiederum beschränkte.
    • Psychotherapie und ihre wissenschaftliche Erforschung ist ebenfalls noch extrem jung. Damit sind die Verständnisse von Belastungen, Störungsbildern und einhergehender Marginalisierung in stetigem Wandel, was die Verbesserung der Realiabilität und Validität von Forschungssettings keinesfalls erleichtert.
      • Psychotherapie orientiert sich aber aus guten Grund zunächst immer an der subjektiven Wahrnehmung und den authentischen Bedürfnissen der Hilfesuchenden und invalidiert weder ihre Wahrnehmung noch ihre Ansätze zur Bewältigung.
  • Das Fehlen von Wirksamkeitsbeweisen ist kein Beweis für Unwirksamkeit. Ein Vergleich mit Pseudomedizin wie Homöopathie verbietet sich, da die Sachlage hier eine völlig andere ist: Es gibt zahlreiche Gegenbeweise, Es handelt sich um einen nachvollziehbaren Missbrauch durch Dritte, nicht Betroffene, Eine Wirksamkeitsprüfung von Homöopathie ist leicht nach bewährten Standards durchführbar. Das ist bei CWs sehr viel komplexer.
    • Selbst wenn CW wie Homöopathie maximal eine Plazebo~Wirkung hätten, wäre das ein Argument FÜR ihren Einsatz, da nicht nur keine NW sondern auch nahezu kosten~ und missbrauchsfrei.
    • Ein Schaden durch CW ist nicht nur nicht bekannt sondern auch nicht plausibel.

"Vermeidung muss überwunden werden - Mach ne Therapie!"

01:13:34
  • Richtet sich entweder auf Menschen mit Traumabackground. Dann völliges Misskonzept von Traumafolgestörungen.
  • Oder die Ferndiagnose ergibt geringere Störung.
    • Auf jeden Fall wäre damit die Annahme verbunden, die Legitimität der Forderung besser beurteilen zu können als die sie Stellende.
  • Außerdem Überwinde man seine Probleme ja durch Konfrontation ~ "Das weiß man ja."
    • Tatsächlich sind Expositionstherapien in der modernen Psychotherapie bei Angststörungen inklusive Zwängen dominant, gut empirisch abgesichert und erstes Mittel der Wahl. Aber: Es gibt halt nicht nur Angststörungen.
      • Traumafolgestörungen, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie, dissoziative Störungen sind etwas komplexer als eine spezifische Phobie.
      • Selbst wenn dort dominante Behandlungskonzepte Exposition beinhalten, ist das jeweils nur ein Bestandteil eines umfangreicheren Pakets und i.d.R. nicht eben durch eine dreimonatige Kurzzeittherapie aus 10 Sitzungen bewältigbar. D.h. die Betroffenen müssen ggf. trotz Therapie viele Jahre oder sogar bis Lebensende mit erheblichen Belastungen leben.
      • Reizoffenheit/Hypervigilanz und Übererregtheit/Hyperarousal sind sehr typische Symptome von z.B. Traumafolgestörungen oder im Bereich autistischer Erscheinungsformen. Diese sind teilweise nicht durch Therapien veränderbar, beruhen z.T. auf irreversiblen physischen Abweichungen vom Bevölkerungsdurchschnitt.
    • Empiriebasierte Manuale bilden nur teilweise therapeutische Realität ab. Reine Störungsbilder sind die Ausnahme, Komorbiditäten Regelfall.
    • Zugang zu Psychotherapie ist AUCH IN DEUTSCHLAND ein Privileg! Sie ist im Durchschnitt weiß, besserverdienend, able, klassistisch ~ von den Therapeut*innen gar nicht zu reden. Es gibt eine große Bandbreite an Unsicherheit erzeugenden Faktoren - befindlich in der Störung selbst, in der Variabilität therapeutischer Kompetenz, im Vorwissen über Störung und Therapie, in der Haltung üblicher Zuweiser*innen, in Wartezeiten und Sitzungsbeschränkungen, der Variabilität verfügbarer Ansätze ....
  • Ratschläge sind auch Schläge. Wenn Rat noch dazu lediglich auf Halbwissen und der eigenen ggf. privilegierten Erfahrung beruht, wäre demütigere Haltung vielleicht angebrachter.

"Jede*n triggert was anderes - dann müsste man alles kennzeichnen."

01:34:30
  • So?! Nur mal angenommen, das wäre wahr: Kosten~Nutzen~Analyse.
  • Grundsätzlich ist diese Aussage in dieser Totalität nicht gültig.
    • Im Falle von Traumafolgestörungen kann langfristig zwar nahezu jeder neutrale Reiz zu einem Trigger generalisiert werden, das bedeutet aber nicht, dass es nicht Gruppen von Reizen gäbe, bei denen wir da ziemlich hohe Gewissheit haben.
      • Die meisten können intuitiv nachvollziehen, dass Darstellungen von Gewalt, sexualisierter Gewalt, Sexualität, Blut, Verletzungen, vielleicht sogar erlebtem Mobbing für Betroffene extrem unangenehm sein können. Hier ist die Bereitschaft selbst bei Gegner*innen von CWs gelegentlich hoch. Hier scheint die Empathie ~ ggf. aus eigener Betroffenheit oder nahestehenden Betroffenen ~ vglw. leicht zu fallen.
      • Diskriminierende Sprache und Inhalte - ob durch Verfasser*innen oder in Beiträgen Zitierte ~ können für Diskriminierte selbstverständlich auch zu Auslösern erheblichen Leids werden. Anscheinend gibt es dahingehend sehr flexible Bewertungen, welche Diskriminierten in diesem Fall wieviel Respekt und Rücksichtnahme verdienen. Das scheint mir sehr abhängig von den eigenen internalisierten Ansichten der Bewertenden (z.B. Rassismus vs. Bodyshaming, Rassismus vs. Antisemitismus, Klassismus vs. Sexismus ...) .
      • Darstellung von Essen kann sowohl Menschen mit klassischen Essstörungen aber auch Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen erheblich belasten. Binge~Eating~ oder Bulimische Attacken, Nichtvisuelle Flashbacks, Ekel, Übelkeit und migräneähnliche Syndrome können dadurch ausgelöst werden und weitere krisenhafte Zuspitzungen nach sich ziehen. Auch chronische körperliche Erkrankungen können Nahrungsaufnahme zu einem qualvollen Thema machen. Hier ist die Warn~Bereitschaft meist sehr gering, weil Essen für Normies etwas Angenehmes, Alltägliches ist und sie die Beschwerden der Betroffenen als Empfindlichkeit abtun und es mit eigenen, leicht zu umgehenden Nahrungsmittelaversionen gleichstellen. Fälschlicherweise.
      • Inhalte mit Bezug zu Arbeit und anderer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Viele Betroffene können aufgrund ihrer Einschränkungen und Eigenschaften nicht so am gesellschaftlichen Alltag teilhaben wie Normies. Naive Menschen nehmen an, dass es doch geil ist, wenn 1 nicht mehr arbeiten gehen muss und endlich ganz viel Freizeit hat. Das führt aber an der Realität der Betroffenen meilenweit vorbei. Wer einen kleinen Einblick zu diesem Themenbereich möchte, dem seien die Folgen 7 bis 9 zu chronischen Erkrankungen ans Herz gelegt. Entsprechend können jegliche Beschreibungen mit Bezug zu Arbeit, Freizeitgestaltung oder sozialen Kontakten in Betroffenen heftige Gefühle des Mangels, der Einsamkeit, der Ausgrenzung oder Wertlosigkeit auslösen.
      • Beschreibungen von emotional sehr belastenden oder kindheitsbezogenen Situationen bergen ebenfalls ein sehr hohes Triggerpotential. Stichworte wie Familie, Kindheit, Streit, Drohung, psychische Gewalt oder Missbrauch können Menschen in instabilen Phasen helfen, solchem Content aus dem Weg zu gehen.
    • Liste sicher nicht vollständig, aber schon mal ein recht adäquater Überblick.
  • Es muss vielleicht nicht nur um klassische Trigger gehen. Auch für Normies können Themen überfordernd und unerträglich werden. Um die eigene Funktions~ und Genussfähigkeit wiederherzustellen, brauchen wir manchmal schlicht Pausen.
    • Das KANN natürlich durch eine vollständige Internetpause oder Handypause erzielt werden. Damit gebe ich aber ggf. nicht nur Belastungen sondern auch Zugang zu wichtigen Ressourcen ab. Dabei würde ein temporäres Ausblenden überfordernder Inhalte bereits ausreichen, das den Rest erhält.

KostenNutzenAnalyse

01:46:47
  • Bei jeder Intervention bedarf es einer KostenNutzenAnalyse. Oft machen wir die ganz automatisch auf Basis unserer Datenlage.
  • Wie dargestellt ist die individuell meist sehr unterschiedlich ~ bis ich über die Infos der anderen aufgeklärt werde.
  • Bei vielen Betroffenen führt eine KostenNutzenAnalyse zu vollständigen Blocks, Vermeidung bestimmter Blasen oder Netzwerke oder gar zu einem generelleren sozialen Rückzug. So hoch empfinden sie ihre individuellen Kosten.
  • CW erlauben den Betroffenen eine selbstbestimmte Regulation akuter Belastung und tragen somit zum höchsten Maß an gesellschaftlicher Teilhabe, die unter den jeweiligen Lebensumständen möglich ist. Gleichgültiges Posten ohne CW führt durch Erschöpfung und ChillingEffects zur weiteren Ausgrenzung Betroffener.
  • Bei Gegener*innen führt die Analyse offensichtlich zur Annahme, dass ihre individuellen Kosten durch CWs ~ ob spezifisch oder mandatorisch ~ höher zu bewerten sind als die der Betroffenen.
  • Objektive Kosten von CWs z.B. im Netzwerk Mastodon:
    • Bei einem neuen Post/Toot: Eingabe ca. 5 bis 20 weiterer Zeichen. Bei jeder Antwort auf diesen entfällt die Eingabe durch automatische Übernahme.
    • Von 500 verfügbaren Zeichen werden diese Zeichen abgezogen, was eine Beschränkung auf selten weniger als 480 Zeichen bedeutet.
    • Beim Lesen einer TL mit CWs erscheinen die Toots eingeklappt und müssen durch 1 LinksKlick geöffnet werden.
      • Das kann allerdings im Webclient und in einigen AndroidClients zentral ausgeschaltet werden. Nur im worst case kommt es also zu einer für das Internet nicht eben unüblichen Mehrbelastung des meist rechten Zeigefingers.
    • Bei CWs vor Blogposts, Artikeln oder anderen Schrifterzeugnissen aber auch als kurze Ansage zu Beginn von Podcasts oder RadioSendungen dürfte der Aufwand im Vergleich zur Gesamtanstrengung tendenziell noch marginaler ausfallen.

Fazit

01:52:44
  • Der Nicht~Einsatz bzw. die aktive Verweigerung von CWs ist entweder auf wenig liebenswerte Charakterzüge oder eine unvollständige KostenNutzenAnalyse zurückzuführen. Beschränkt man diese nur auf die eigenen Interessen fällt sie naturgemäß selbstbezogen aus. Fehlt einfach die Perspektive Betroffener handelt es sich ggf. nur um einen Informationsmangel, der durch Zuhören, Offenheit und den bewussten Abbau von Privilegien behoben werden kann.
  • Wie bei so vielen Analysen:
    • Es gibt einen Weg, der unmittelbar angenehm bzw. bequemer ist, aber gleichzeitig bittre langfristige Konsequenzen nach sich zieht.
    • Und einen, der unmittelbar aufwändiger ist, aber sich langfristig positiv auf die Gesamtsituation auswirkt.
  • Bei den CW ist es wie mit dem Gendern:
    • Zu Beginn fällt die Umstellung etwas schwer, 1 muss eine Zeit lang Misserfolge/Scheitern aushalten. Aber das ist temporär und mit der Zeit wird es immer leichter und normaler.
  • Meine eigene Transformation ist dahingehend übrigens auch noch lange nicht abgeschlossen. Es gibt immer wieder Phasen oder Situationen, in denen ich diesen Ansprüchen nicht entspreche. Die entscheidende Frage ist, wie ich damit umgehe:
    • Relativiere ich? Invalidiere ich Betroffene, um mich damit besser zu fühlen?
    • Oder nehme ich Kritik an, überprüfe ich mich regelmäßig selbst und korrigiere ich mich, wenn ich mein Scheitern bemerke?
  • Es geht nicht darum im Fahrtwind des allgemeinen Perfektionismus in den ActivistBurnout zu schlittern. Aber es kann auch nicht darum gehen, sich hinter Gleichgültigkeit oder Selbstgefälligkeit zu verstecken. Dazwischen gibt es noch etwas.

Abschied

02:03:06
  • Diesmal gibt es wenig Links auf Quellen. Denn wie oben beschrieben gibt es wenig Quellen, auf die sich zu beziehen lohnte. Meine Argumentation leitet sich aus psychotherapeutischem Wissen über verhaltenstheoretische und störungsspezifische Entstehungs~ und Erhaltungsmodelle sowie Behandlungskonzepte ab.
  • Dieses Plädoyer fällt doch sehr viel ausführlicher und zusammenhängender aus als eine Reihe von Toots, die im Schlagabtausch von mir in die Auseinandersetzung geworfen werden. Schlagabtausch~Diskurse verlaufen oft eskalativ, führen zur Fragmentierung von Gedankengängen und fördern so eher das Missverstehen als die Verständigung.
  • Ich hoffe, dass dieser umfangreiche Beitrag denen hilft mich zu verstehen, die mich angesichts meiner Toots zum Thema CW als ideologisch, starrsinnig und irrational wahrgenommen haben.
  • Und denen, die immer wieder in die aufwallenden Debatten ziehen, die Position zugunsten CWs (oder auch anderer sprachlicher Anti-Diskriminierungsmaßnahmen) noch klarer und mit evtl. neuen Argumenten zu vertreten.
  • Es geht beim Streit um CWs nicht um Rechthaben, sondern um konkrete Lebensbedingungen anderer Menschen. Also um sichere Räume, in denen sich alle Menschen so optimal wie möglich beteiligen können, leben können.
  • Das inkludiert auch die Aufgabe eigener Privilegien zugunsten eines Zusammenlebens, das auf Kooperation basiert, nicht auf Konkurrenz.
  • Ich bin selbst in dieser Episode den für mich bequemen Weg gegangen, als Nicht~Betroffener alleine und ohne die Perspektive der Betroffenen über Inhaltswarnungen zu sprechen. Ich könnte dafür plausibel klingende Gründe anführen. Aber das ändert an dieser Schwäche nichts.
  • Ich möchte denen, die ihre Perspektive in diesem Kontext besser repräsentiert sehen möchten, das Angebot machen, diesen Mangel mit mir zu korrigieren. Wer sich mit mir über dieses oder ein anderes meiner Themen aus seiner spezifischen Perspektive unterhalten und sie mit meinen Zuhörer*innen teilen möchte, melde sich bitte sehr gern bei mir.
  • Danke für die Aufmerksamkeit, jedes Teilen, jede Ermutigung, jede respektvolle Korrektur oder Ergänzung.
  • Die Plapperbude bleibt zwar ein Projekt neben einer Reihe wichtiger Projekte und Interessen in meinem Leben. Aber darunter ist sie ein wichtiges und geliebtes. Und das nicht zuletzt auch wegen all den tollen Menschen, die sich mir als Zuhörer*innen zu erkennen geben und so das Projekt mit mir teilen.
  • Tonquellen
  • Werde Mitglied in der Plapperbu:de-Community auf Matrix und diskutiere mit anderen Zuhörer*innen über diese Folge!

PLBD008 Chronische Erkrankungen (2/3)

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Lotte

Shownotes

Triggerwarnung

00:00:01
  • In dieser Episode wird es um chronische Erkrankungen und die daraus erwachsenden schweren Belastungen im Leben der Betroffenen gehen. Sowohl die Betroffenen als auch mitunter ihre Angehörigen sind aus guten Gründen bemüht, diese Belastungen aus ihrem Bewusstsein zu halten. Unser folgendes Gespräch wird entgegen diesen Bemühungen all diese Facetten ihres Leidens versuchen zu beleuchten und so ins Bewusstsein zurückholen.
  • Wir emfpehlen daher dringend, sich bereits vor dem Hören der drei Episoden zu diesem Thema planend vorzubereiten, ob und wieviel am Stück Ihr sie Euch anhören möchtet. Prüft bitte bewusst, wieviel Kraft und Distanz Ihr im Moment aufzubringen fähig seid und stellt Euch ggf. einen Wecker, um Euch zu Pausen zu zwingen. Es ist ein Podcast, er läuft nicht weg und somit könnt Ihr ihn Euch auch in 15min-Abschnitten anhören, wenn das erforderlich ist.
  • Sollte es dennoch zu Überforderung kommen, werdet Ihr Hilfe zur Entlastung und Distanzierung benötigen. Denkt daher bitte auch vorher darüber nach, mit wem Ihr unter Umständen über Eure Gefühle und Gedanken reden könnt, und wie diese Menschen wann zu erreichen sind. Wie bei anderen Folgen auch, weise ich außerdem auf www.telefonseelsorge.de hin, wo ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon erhalten könnt. Wenn Ihr nicht ohnehin schon kompetente psychotherapeutische Betreuung habt, seid an die Möglichkeit sogenannter Psychotherapeutischer Sprechstunden bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen erinnert, die im Krisenfall auch sog. Akuttherapien zur Krisenbewältigung anbieten können.

Begrüßung und Vorstellung

00:03:14
  • Kurzvorstellung Lotte
  • Anschluss an Teil 1
    • Definition
    • Prävalenz
    • Subjektives Erleben
  • Gliederung Teil 2

Krankheitsauswirkungen an sich

00:06:33
  • Somatische Erkrankungen können sich auswirken auf
    • Hormonsystem
    • Neurotransmittersystem
  • Auswirkungen aber komplex und schwerer vorherzusagen als früher angenommen
  • Beispiel Über/Unterfunktion der Schilddrüse
    • Mangelhormon kann künstlich ersetzt werden und Symptome verschwinden wieder
    • Sollte bei depressiver Symptomatik stets geprüft werden bevor antidepressive Medikation oder Psychotherapie eingesetzt werden. Auch bei Angstzuständen.
    • Auch andere Stoffe wie Vitamin D können bei Mangel depressives Syndrom auslösen
  • Beispiel Essentielle Hypertonie aka Bluthochdruck
    • Erhöhter Blutdruck ist mit Aktivierungszustand assoziiert und geht daher manchmal mit dem Empfinden von Angst einher. (Angst allerdings auch immer mit einer temporären Erhöhung des Blutdrucks)
  • Beispiel Parkinson und Zittern
    • Alltagshandlungen extrem zeitaufwändig durch eingeschränkte Feinmotorik

Medikamente und Hilfsmittel

00:19:55
  • Medikamente
    • müssen stets und ständig mitgeführt werden
    • bedürfen dabei teilweise spezieller Lagerung (z.B. Kühlung auch unterwegs)
    • Flughafen-Anekdote:
      • Extra-Kühltasche für Medikamente
      • Kühlelemente führen zu Schwierigkeiten beim Sicherheitscheck
      • Öffentliche Bloßstellung durch Vorzeigen der Medikamente und Diskussionen
      • Auf Reisen sachgemäße Lagerung auch oft schwierig
    • Mehrere Präparate müssen zu unterschiedlichen Zeiten absolut pünktlich und abhängig voneinander (Wechselwirkungen) eingenommen werden
      • sehr anspruchsvolle logistische und organisatorische Aufgabe
      • Keine Ausnahme, kein Wochenende, kein Ausschlafen etc.
    • greifen zum Teil ebenfalls - wie die Erkrankungen - in hormonelles und Neurotransmittersysteme ein und können ihrerseits psychische Symptome auslösen oder verstärken
      • i.d.R. unterkommuniziert
        • auch Behandler*innen vergessen häufig diesen Aspekt der Medikation mit den Beschwerden der Pat. in Beziehung zu setzen
        • hohe Komplexität durch Kombinationstherapien (Wechselwirkungen)
      • viele unterschiedliche Fachärzt*innen, die schlecht miteinander abgestimmt sind.
        • Management medizinischer Behandlung bleibt an Patient*innen (i.d.R. med. Lai*innen!) selbst hängen

Dauerstress

00:42:32
  • Ständige Selbstbeobachtung und Managment des Krankseins
    • Beispiel: Reichweitenangst bei Elektroautos
    • Führt zu erhöhtem Cortisolspiegel, was chronischen Unruhe- oder sogar Angstzustand bedeutet
    • Reizbarkeit, Anspannung, Impulsivität mögliche Folgen
    • Sympatikus (Anspannung) vs. Para-Sympatikus (Entspannung)

Soziale und gesellschaftliche Teilhabe

01:00:10
  • Stereotype Vorstellungen von Krankheit
  • Ähnlichkeit mit Betroffenen in besseren Phasen erhöht Bedrohungsgefühl durch Konfrontation mit Vergänglichkeit von Gesundheit und Leben
    • Subjektiver Verlust von Kontrolle über sich und sein Leben
    • Führt zu Hilflosigkeit und Angst
    • Wird über Vermeidung, Verdrängung und Leugnen "bewältigt"
  • Erhöhtes Risiko von Abhängigkeits-Beziehungen
    • Paternalismus und Invalidierung
      • zusätzliche soziale Behinderung in eigener Bewältigung
    • Helfer*innen-Burnout
      • Frustration
      • Selbstvernachlässigung oder Mangelversorgung
      • Kränkung
  • Vorwürfe, Ratschläge, Vergessenwerden
  • Privileg Nicht-Betroffener sich durch pauschalen Rückzug vor Risiken negativer Rückmeldung zu schützen
    • Betroffene können nicht wählen, keine Hilfe zu brauchen
    • Unzulässige Generalisierung schadet großer Gruppe zugunsten der Convenience Nicht-Betroffener

Eigene Gefühle in Bezug auf Erkranktsein

01:20:27
    • Diagnose erhalten - Wie war das für Dich?
    • Zuerst Erleichterung
      • nach langer Invalidierung als Psychisch/Psychosomatisch krank
      • Genugtuung, Entlastung von Scham
      • Erlösung: Endlich werde ich ernst genommen!
    • Langfristig dann aber der Schock über Bedeutung
      • Unsicherheit, Angst
        • vor Schmerzen, Krankheit, Medikamenten
        • existenzielle Ängste vor Verlauf, Prognose, Therapieoptionen
      • Verluste: Trauer, Wut, Kränkung
        • Identitäts- und Rollenverluste
        • Funktionseinschränkungen und -verluste
        • körperliche Veränderungen
        • Verlust der Selbstbestimmung
        • Abschied von Plänen und Lebensentwürfen
      • Invalidierung eigener Expertise für sich und sein Erleben durch z.B. Behandler*innen, aber auch Angehörige
        • Wut
        • Unzulänglichkeitserleben
    • Berichte von Chroniker*innen über ihre Gefühle

Anekdote: Marginalisierungserfahrungen bei Flugreisen

01:41:37

Dank und Verabschiedung

01:46:59
  • Ausblick Teil 3
  • Danke Lotte!

Outro

01:49:09

PLBD005 Elternschaft und Emanzipation

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Mitwirkende

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Homer S.
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Julia

Shownotes

Willkommen in der Plapperbu:de

00:01:36

Triggerwarnung

00:02:14
  • Julia und ich werden uns heute über Elternschaft, damit verbundenen Druck und Auswirkungen auf Erziehung und Gesundheit unterhalten. Damit werden in unserem Gespräch erhebliche Belastungen angesprochen, die auch viele von Euch, unseren Zuhörer*innen, auf die eine oder andere Weise beinträchtigen werden. Das Gespräch oder Teile davon können also geeignet sein, Eure Stimmung negativ zu beeinflussen oder bereits vorhandene Belastung verstärken.
  • Achtet also vor dem Hören dieser Folge bitte genau darauf, ob Ihr in einer ausreichend stabilen Verfassung seid. Macht beim Hören immer mal wieder eine Pause und prüft, ob Ihr noch genügend Kraft habt, um weiterzuhören. Solltet Ihr trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Achtsamkeit während des Hörens oder in den folgenden Tagen starke Belastung und Überforderung erleben, zieht bitte in Betracht, Euch kompetente Hilfe zu suchen. Unter www.telefonseelsorge.de findet Ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon. Persönlich könnt Ihr Euch an Eure Hausärzt*innen wenden oder direkt eine sogenannte Psychotherapeutische Sprechstunde bei einer Psychologischen Psychotherapeutin besorgen, um Euch dort fachgerecht beraten zu lassen, wie Ihr aus dem Tief wieder heraus kommt.
  • Anonyme Krisenberatung

Begrüßung und Vorstellung Julia

00:03:28

Julia stellt sich und ihren Erlebniskontext vor

00:05:02
  • Werdegang bis zur Promotion mit Familiengründung
  • Wochentags alleinerziehend in sehr arbeitsreicher Lebensphase
  • Privilegiencheck

Warum diese Sendung?

00:07:52
  • Nach Hören der Folge 4 bemerkt:
    • Sehr viel über Attachment Parenting gesprochen
    • Sehr wenig Zeit für die ursprünglich geplanten Meta-Themen
    • Viel Homer, viel zu wenig Julia (Danke für den Hinweis, liebe Freundin! 😉 )
    • Als es gerade interessant wurde, keine Zeit mehr

Elternschaft: Einflüsse, Erwartungen, Belastungen

00:12:01
  • Biologie und Sozialisation
    • Partner*innenschaftliche Geburtsvorbereitung inkl. Mythenbeseitigung
    • Die Cuteness von Neugeborenen und Zweifel an biologischem Determinismus
    • Kognitive oder/und hormonelle Bindung
      • Bsp. Adoption
      • All-Gender-Liebe für Kinder

Stillerfahrungen

00:24:24
  • Autonome körperliche Reaktionen auf Babys
    • Veränderungen im Aussehen von Frauen die entbunden haben - mehr als "nur psychisch"
    • Imagination des Babys beim Milch-Abpumpen
    • Milcheinschuss auch bei "Fremdbaby" vs. stillprobleme
    • Stillen als gesellschaftliches Tabu
      • Physische, bitter-süße "Belohnung"? (Julia: "Hormondusche")
      • Multiple Belohnungsfaktoren
    • Öffentliches Stillen und gesellschaftlicher Umgang
    • Stillfreundliche Cafés
    • Wo ja, wo nicht?
    • Sexuelle (männliche) Scham als Ursache von Tabuisierung
      • Weiblicher Oberkörper anstößig, männlicher nicht
    • Zur Objektifizierung von Frauen und geschlechtsspezifischen Doppelstandards:

Elternschaft über den Säugling hinaus

00:47:27
  • Externe, belastend empfundene Faktoren
    • Zeitlich begrenzte Schonzeit von gesellschaftlichen Verantwortungen, insbesondere Erwerbstätigkeit
    • Ab Kita wieder Verwertbarkeitserwartungen
    • Invalidierung von Beschwerdevermittlung
    • Geschlechtsspezifische Unterschiede z.B.:
      • Vater wird auf Erwerbstätigkeitserwartungen beschränkt, muss sich nicht bezüglich Elternschaft rechtfertigen.
      • Mutter nur mit Kindern als "vollständig" wahrgenommen.
    • Unvollständige Beschäftigungsberechnungen durch Ausblenden von Fürsorgetätigkeiten
      • Auslagerung von Fürsorge-Arbeit auf ältere/andere Frauen zur Wiederaufnahme in Verwertungskette
      • Subjektiv teilweise unbefriedigende Reduktion auf repetitive Tätigkeiten, die zusätzlich schlechter bezahlt werden

Musik

01:00:36

Marginalisierung weiblicher Arbeit

01:02:35
  • Mangelnde Wertschätzung von Tätigkeiten durch nicht-egalitäre Arbeitsteilung
  • Mann als Drittes Kind: Seine Mängel fallen auf (Haus-) Frau zurück
  • Aufspaltung von Arbeit in sichtbare Handlung (anerkannt) und emotionale Funktion (unsichtbar, marginalisiert)
    • bewirkt gesellschaftliche Entwertung vorwiegend weiblicher Arbeit
    • Entwertung höherer Ausbildungen und Outsourcing an ungelernte Kräfte

Weibliche Emanzipation durch Idealisierung des Lebens des (weißen) Mannes?

01:14:30
  • Idealisierung von ("männlicher") Lohnarbeit und (Selbst-) Entwertung ("weiblicher") Arbeit
    • Begünstigung durch konventionelle Partnerschaftsmodelle
    • Dauerüberforderung durch 1 1/2 Personen-Jobs begünstigen traditionelle Modelle als "Lösung"
  • (Teil-) Feministische Entwertung von Fürsorge-Arbeit als unemanzipativ
    • 1 1/2 Personen-Job-Problem dadurch dupliziert
      • Versuch der Reproduktion des Lebens des privilegierten weißen Mannes
      • Im Kontrast zur fairen Verteilung von Privilegien
    • Lesehinweise
    • Erläuterungen zu 1 1/2 Personen-Job
      • Quantifizierung nicht beachteter Tätigkeiten (Gender-Care-Gap)
      • Subjektivierung/Individualisierung sich ergebender (Überforderungs-) Probleme
      • Romantisierung/Idealisierung von Mutterschaft
        • Selbst gewählt, daher kein Recht auf Überforderung, Hilfsbedarf oder Unglücklichsein
          • Zeit mit Familie und Haushalt als Genuss wegen freier Wahl (Julia: "Seele verkauft")
        • Unterkomplexe Erklärungsmodelle in Umwelt
      • Private Lösungen für systematische Probleme

Mansplaining, Invalidierung, Paternalismus. Beispiele

01:59:55
  • Absprechen von Kompetenzen durch Männer
  • Patriarchale Prägung von Wissenschaften

Bedeutung eigener Erfahrung für Beratungskompetenzen

02:11:17

Feminismus und Theologie

02:21:28

Verabschiedung

02:39:44
  • Danke Julia!
  • Feedback und Anmerkungen gerne auf Mastodon unter dem entsprechenden Toot mit dem Hashtag PlapperbudeRelease oder direkt auf dem Blog. Wir freuen uns!

Outro

02:45:00