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Schlagwort: Chronische Erkrankungen

PLBD009 Chronische Erkrankungen (3/3)

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Mitwirkende

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avatar Lotte

Shownotes

Triggerwarnung

00:00:01
  • In dieser Episode wird es um chronische Erkrankungen und die daraus erwachsenden schweren Belastungen im Leben der Betroffenen gehen. Sowohl die Betroffenen als auch mitunter ihre Angehörigen sind aus guten Gründen bemüht, diese Belastungen aus ihrem Bewusstsein zu halten. Unser folgendes Gespräch wird entgegen diesen Bemühungen all diese Facetten ihres Leidens versuchen zu beleuchten und so ins Bewusstsein zurückholen.
  • Wir emfpehlen daher dringend, sich bereits vor dem Hören der drei Episoden zu diesem Thema planend vorzubereiten, ob und wieviel am Stück Ihr sie Euch anhören möchtet. Prüft bitte bewusst, wieviel Kraft und Distanz Ihr im Moment aufzubringen fähig seid und stellt Euch ggf. einen Wecker, um Euch zu Pausen zu zwingen. Es ist ein Podcast, er läuft nicht weg und somit könnt Ihr ihn Euch auch in 15min-Abschnitten anhören, wenn das erforderlich ist.
  • Sollte es dennoch zu Überforderung kommen, werdet Ihr Hilfe zur Entlastung und Distanzierung benötigen. Denkt daher bitte auch vorher darüber nach, mit wem Ihr unter Umständen über Eure Gefühle und Gedanken reden könnt, und wie diese Menschen wann zu erreichen sind. Wie bei anderen Folgen auch, weise ich außerdem auf www.telefonseelsorge.de hin, wo ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon erhalten könnt. Wenn Ihr nicht ohnehin schon kompetente psychotherapeutische Betreuung habt, seid an die Möglichkeit sogenannter Psychotherapeutischer Sprechstunden bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen erinnert, die im Krisenfall auch sog. Akuttherapien zur Krisenbewältigung anbieten können.

Begrüßung und Vorstellung

00:03:13
  • Fokus Bewältigung:
    • Eigene Lösungsversuche
    • Externe Expertise/Hilfe

Frage an die Expertin (Lotte)

00:04:23
  • Problemstellungen vielfältig = Lösungsstrategien vielfältig
  • Chronische Erkrankungen sind "life changing"
    • unterschiedliche Schweregrade
    • erfordern viel Aufmerksamkeit im Alltag
  • Gleichgewicht zwischen Ressourcen und Anforderungen bewahren/herstellen
  • Beispiele für typische Meisterungsstrategien
  • Leugnen und Ignorieren der Erkrankung (sauswirkungen) im Alltag
    • Überspielen, Distanzieren, Verdrängen, Bagatellisieren
      • von Symptomen und Einbrüchen
    • entspricht häufiger gesellschaftlicher Erwartung ("Zähne zusammenbeißen")
    • hoher Kontrast der starken und schwachen Phasen
      • langfristig hoher Preis durch wachsende Rückschläge
    • Planung: Tages- und Wochenpläne, Achtsamkeit ...
    • dennoch häufige Überschätzung eigener Ressourcen und Unterschätzung von Kosten
    • Akzeptanz der neuen Prämissen unter Erkrankung schwierig
      • Festhalten an alten Standards
    • Problem gesellschaftlicher Idealisierung von Spontanität
      • die unmittelbare Belohnung verspricht (Hedonismus)
      • langfristige Effekte von Planung werden oft nicht vorhergesehen
      • langfristige Schäden fehlender Planung oft nicht mit diesem Mangel verbunden
      • Hilfe bei Einsicht kann durch Psychotherapie ggf. besser gewonnen werden
    • Perfektionismus erschwert Anpassung von Planung an wechselnde Rahmenbedingungen
  • Sense of Urgency: An guten Tagen alle Ausfälle eilig kompensieren wollen (Überkompensation)
    • Auch als genussorientierte Euphorie an guten Tagen möglich (Bsp: Almauftrieb nach Winter)
    • Totale Selbstüberforderung - Erschöpfung exponentiell wachsend
    • Sekundäre Belastung durch Misserfolge und Enttäuschungen
      • Bei Nicht-Betroffenen auch! Aber Auswirkungen bei Betroffenen erheblicher
    • Metapher: Autofahren mit Vollgas vs. Optimaler Verbrauch
  • Akzeptanz
  • Streben nach Kontrolle
    • Z.B. durch Aufbauen von Struktur
    • oder krankheitsspezifischen Kompetenzerwerb
    • Klärung von Verantwortung für welche Aspekte von Kranksein
    • Zwanghafte Kontrolle vs. Externalisierung von Verantwortung (Kontinuum)
      • Mitte nicht unbedingt optimal!
      • Gerade bei seltenen Erkrankungen hohe Expertise für eigene Krankheit (höhere Kontrolle) ggf. überlebenswichtig!

Akzeptanz vs. Ewiger Kampf

00:41:00
  • Gesellschaftlich typische Metaphorik des Kriegs
    • Risiko des "Kampf gegen Windmühlen"
    • Totaler Sieg oder Niederlage
      • Therapie: Auflösen des Dualismus
    • Akzeptieren != Aufgeben
    • Risiko falsche "Gegner" zu wählen
      • Bsp: Traumafolgestörung
        • Vermeidung von Erinnerung verschlimmert Störungsbild
        • Bestimmtes Zulassen von Symptomen für Kompensation erforderlich

Hilfsangebote - Für und Wider

00:50:30
  • Bewältigungsgruppen, Meisterungskurse, Selbsthilfegruppen etc.
    • Vermittlung nach dem Gießkannen-Prinzip
      • aus Effizienz- und Kostengründen grundsätzlich nachvollziehbar
    • Unzureichende Individualisierung kann hoch kontraproduktiv sein
      • kann sogar wirksame Strategien für Betroffene "verbrennen"
      • wird Komorbidiäten (mehrere Diagnosen) , diversen Lebensrealitäten und Wechselwirkungen oft nicht gerecht
      • kann Unzulänglichkeitserleben in Betroffenen verstärken oder auslösen
      • Bsp: Entspannungsverfahren, Energieökonomisierungskurse
    • Perspektivwechsel für verschiedene Behandler*innen abhängig von Störungskenntnissen oder beruflichen Kompetenzen ggf. unzureichend
      • "schwierige" Patient*innen fallen stets hinten rüber
    • Chance: Angebote können anregen, unterstützen, soziale Unterstützung anbieten
      • Verfügbarer, leichter und schneller erhältlich
      • Aber zusätzliche Hilfe bei Individualisierung/Differenzierung empfehlenswert (z.B. begleitende oder nachfolgende Einzeltherapie)

Ambulante Psychotherapie als Bewältigungshilfe

01:16:30
  • Qualität der Angebote stark abhängig von Kompetenz und Haltung der Helfenden
    • Ruhig viele Therapeut*innen "ausprobieren" und Flexibilität und Offenheit prüfen
    • Anerkennung der Expertise der Betroffenen wichtig
      • Auch gut für das Kontroll- und Selbstwirksamkeitserleben der Betroffenen
    • Flexible (vorläufige!) , individuelle und transparente Störungs-/Problemmodelle gutes Zeichen
  • Hilfe bei Trennung von Symptomursachen und Klärung eigenen Einflusses auf Belastung
    • Ausschöpfung nicht-pharmakologischer Methoden zur Minimierung von Neben- und Wechselwirkungen
    • Stressbewältigungstechniken fast immer nützlich
  • Entlastung mitbelasteter sozialer Bindungen
  • Ausdruck und externe Bestätigung (Validierung) des erlebten Leids
  • Gestützte und tabulose Reflektion mit unabhängiger Person
  • Trauerarbeit, Emotionale Bewältigung von (ggf. fortschreitenden) Verlusten
  • Sozialer Isolation entgegenwirken
  • Neue, angepasste Lebensentwürfe entwickeln!
    • Paradoxe Anmutung: Leben kann grundsätzlich sogar glücklicher werden als vorher!
    • Veränderung birgt ggf. auch Chancen auf anderen Lebens-Ebenen
    • Recht auf "Das gute Leben"

Fazit und Zeit, die Löffel zu polieren

01:43:21
  • Danke für Euer Feedback und die Ermutigungen!
  • Homers und Lottes persönlicher Rückblick auf ca. 6h Podcast
  • Appell an Nicht-Betroffene: Fragt nach! (z.B. ob ihr fragen dürft 😉 )
  • Gegenseitiger Dank und Selbstanerkennung unserer Investitionen in das Projekt <3
  • Hinweis auf neue Kommentarfunktion und Verfügbarkeit im Fediverse unter @homer77@plapperbu.de

Outro

01:59:59

PLBD008 Chronische Erkrankungen (2/3)

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Mitwirkende

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Shownotes

Triggerwarnung

00:00:01
  • In dieser Episode wird es um chronische Erkrankungen und die daraus erwachsenden schweren Belastungen im Leben der Betroffenen gehen. Sowohl die Betroffenen als auch mitunter ihre Angehörigen sind aus guten Gründen bemüht, diese Belastungen aus ihrem Bewusstsein zu halten. Unser folgendes Gespräch wird entgegen diesen Bemühungen all diese Facetten ihres Leidens versuchen zu beleuchten und so ins Bewusstsein zurückholen.
  • Wir emfpehlen daher dringend, sich bereits vor dem Hören der drei Episoden zu diesem Thema planend vorzubereiten, ob und wieviel am Stück Ihr sie Euch anhören möchtet. Prüft bitte bewusst, wieviel Kraft und Distanz Ihr im Moment aufzubringen fähig seid und stellt Euch ggf. einen Wecker, um Euch zu Pausen zu zwingen. Es ist ein Podcast, er läuft nicht weg und somit könnt Ihr ihn Euch auch in 15min-Abschnitten anhören, wenn das erforderlich ist.
  • Sollte es dennoch zu Überforderung kommen, werdet Ihr Hilfe zur Entlastung und Distanzierung benötigen. Denkt daher bitte auch vorher darüber nach, mit wem Ihr unter Umständen über Eure Gefühle und Gedanken reden könnt, und wie diese Menschen wann zu erreichen sind. Wie bei anderen Folgen auch, weise ich außerdem auf www.telefonseelsorge.de hin, wo ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon erhalten könnt. Wenn Ihr nicht ohnehin schon kompetente psychotherapeutische Betreuung habt, seid an die Möglichkeit sogenannter Psychotherapeutischer Sprechstunden bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen erinnert, die im Krisenfall auch sog. Akuttherapien zur Krisenbewältigung anbieten können.

Begrüßung und Vorstellung

00:03:14
  • Kurzvorstellung Lotte
  • Anschluss an Teil 1
    • Definition
    • Prävalenz
    • Subjektives Erleben
  • Gliederung Teil 2

Krankheitsauswirkungen an sich

00:06:33
  • Somatische Erkrankungen können sich auswirken auf
    • Hormonsystem
    • Neurotransmittersystem
  • Auswirkungen aber komplex und schwerer vorherzusagen als früher angenommen
  • Beispiel Über/Unterfunktion der Schilddrüse
    • Mangelhormon kann künstlich ersetzt werden und Symptome verschwinden wieder
    • Sollte bei depressiver Symptomatik stets geprüft werden bevor antidepressive Medikation oder Psychotherapie eingesetzt werden. Auch bei Angstzuständen.
    • Auch andere Stoffe wie Vitamin D können bei Mangel depressives Syndrom auslösen
  • Beispiel Essentielle Hypertonie aka Bluthochdruck
    • Erhöhter Blutdruck ist mit Aktivierungszustand assoziiert und geht daher manchmal mit dem Empfinden von Angst einher. (Angst allerdings auch immer mit einer temporären Erhöhung des Blutdrucks)
  • Beispiel Parkinson und Zittern
    • Alltagshandlungen extrem zeitaufwändig durch eingeschränkte Feinmotorik

Medikamente und Hilfsmittel

00:19:55
  • Medikamente
    • müssen stets und ständig mitgeführt werden
    • bedürfen dabei teilweise spezieller Lagerung (z.B. Kühlung auch unterwegs)
    • Flughafen-Anekdote:
      • Extra-Kühltasche für Medikamente
      • Kühlelemente führen zu Schwierigkeiten beim Sicherheitscheck
      • Öffentliche Bloßstellung durch Vorzeigen der Medikamente und Diskussionen
      • Auf Reisen sachgemäße Lagerung auch oft schwierig
    • Mehrere Präparate müssen zu unterschiedlichen Zeiten absolut pünktlich und abhängig voneinander (Wechselwirkungen) eingenommen werden
      • sehr anspruchsvolle logistische und organisatorische Aufgabe
      • Keine Ausnahme, kein Wochenende, kein Ausschlafen etc.
    • greifen zum Teil ebenfalls - wie die Erkrankungen - in hormonelles und Neurotransmittersysteme ein und können ihrerseits psychische Symptome auslösen oder verstärken
      • i.d.R. unterkommuniziert
        • auch Behandler*innen vergessen häufig diesen Aspekt der Medikation mit den Beschwerden der Pat. in Beziehung zu setzen
        • hohe Komplexität durch Kombinationstherapien (Wechselwirkungen)
      • viele unterschiedliche Fachärzt*innen, die schlecht miteinander abgestimmt sind.
        • Management medizinischer Behandlung bleibt an Patient*innen (i.d.R. med. Lai*innen!) selbst hängen

Dauerstress

00:42:32
  • Ständige Selbstbeobachtung und Managment des Krankseins
    • Beispiel: Reichweitenangst bei Elektroautos
    • Führt zu erhöhtem Cortisolspiegel, was chronischen Unruhe- oder sogar Angstzustand bedeutet
    • Reizbarkeit, Anspannung, Impulsivität mögliche Folgen
    • Sympatikus (Anspannung) vs. Para-Sympatikus (Entspannung)

Soziale und gesellschaftliche Teilhabe

01:00:10
  • Stereotype Vorstellungen von Krankheit
  • Ähnlichkeit mit Betroffenen in besseren Phasen erhöht Bedrohungsgefühl durch Konfrontation mit Vergänglichkeit von Gesundheit und Leben
    • Subjektiver Verlust von Kontrolle über sich und sein Leben
    • Führt zu Hilflosigkeit und Angst
    • Wird über Vermeidung, Verdrängung und Leugnen "bewältigt"
  • Erhöhtes Risiko von Abhängigkeits-Beziehungen
    • Paternalismus und Invalidierung
      • zusätzliche soziale Behinderung in eigener Bewältigung
    • Helfer*innen-Burnout
      • Frustration
      • Selbstvernachlässigung oder Mangelversorgung
      • Kränkung
  • Vorwürfe, Ratschläge, Vergessenwerden
  • Privileg Nicht-Betroffener sich durch pauschalen Rückzug vor Risiken negativer Rückmeldung zu schützen
    • Betroffene können nicht wählen, keine Hilfe zu brauchen
    • Unzulässige Generalisierung schadet großer Gruppe zugunsten der Convenience Nicht-Betroffener

Eigene Gefühle in Bezug auf Erkranktsein

01:20:27
    • Diagnose erhalten - Wie war das für Dich?
    • Zuerst Erleichterung
      • nach langer Invalidierung als Psychisch/Psychosomatisch krank
      • Genugtuung, Entlastung von Scham
      • Erlösung: Endlich werde ich ernst genommen!
    • Langfristig dann aber der Schock über Bedeutung
      • Unsicherheit, Angst
        • vor Schmerzen, Krankheit, Medikamenten
        • existenzielle Ängste vor Verlauf, Prognose, Therapieoptionen
      • Verluste: Trauer, Wut, Kränkung
        • Identitäts- und Rollenverluste
        • Funktionseinschränkungen und -verluste
        • körperliche Veränderungen
        • Verlust der Selbstbestimmung
        • Abschied von Plänen und Lebensentwürfen
      • Invalidierung eigener Expertise für sich und sein Erleben durch z.B. Behandler*innen, aber auch Angehörige
        • Wut
        • Unzulänglichkeitserleben
    • Berichte von Chroniker*innen über ihre Gefühle

Anekdote: Marginalisierungserfahrungen bei Flugreisen

01:41:37

Dank und Verabschiedung

01:46:59
  • Ausblick Teil 3
  • Danke Lotte!

Outro

01:49:09

PLBD007 Chronische Erkrankungen (1/3)

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Shownotes

Triggerwarnung

00:00:01
  • In dieser Episode wird es um chronische Erkrankungen und die daraus erwachsenden schweren Belastungen im Leben der Betroffenen gehen. Sowohl die Betroffenen als auch mitunter ihre Angehörigen sind aus guten Gründen bemüht, diese Belastungen aus ihrem Bewusstsein zu halten. Unser folgendes Gespräch wird entgegen diesen Bemühungen all diese Facetten ihres Leidens versuchen zu beleuchten und so ins Bewusstsein zurückholen.
  • Wir emfpehlen daher dringend, sich bereits vor dem Hören der drei Episoden zu diesem Thema planend vorzubereiten, ob und wieviel am Stück Ihr sie Euch anhören möchtet. Prüft bitte bewusst, wieviel Kraft und Distanz Ihr im Moment aufzubrigen fähig seid und stellt Euch ggf. einen Wecker, um Euch zu Pausen zu zwingen. Es ist ein Podcast, er läuft nicht weg und somit könnt Ihr ihn Euch auch in 15min-Abschnitten anhören, wenn das erforderlich ist.
  • Sollte es dennoch zu Überforderung kommen, werdet Ihr Hilfe zur Entlastung und Distanzierung benötigen. Denkt daher bitte auch vorher darüber nach, mit wem Ihr unter Umständen über Eure Gefühle und Gedanken reden könnt, und wie diese Menschen wann zu erreichen sind. Wie bei anderen Folgen auch, weise ich außerdem auf www.telefonseelsorge.de hin, wo ihr anonyme Beratung via Mail, Chat und Telefon erhalten könnt. Wenn Ihr nicht ohnehin schon kompetente psychotherapeutische Betreuung habt, seid an die Möglichkeit sogenannter Psychotherapeutischer Sprechstunden bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen erinnert, die im Krisenfall auch sog. Akuttherapien zur Krisenbewältigung anbieten können.

Begrüßung und Vorstellung

00:03:15
  • Lotte
    • Norwegerin
    • Diplom in Psychologie in Deutschland erworben
    • Verschiedene Tätigkeiten im akademischen Bereich
    • Zuletzt Associate Professor in Special Education with Emphasis on Psychometrics and Test Development
    • Selbst von chronischer Krankheit Betroffene
    • Mittlerweile Vollzeit-Erkrankte

Warum dieses Thema?

00:07:30
  • Erfahrung von mangelndem Bewusstsein für Realität Betroffener auf Seiten der Behandelnden
    • Mehrheit der Behandelnden weiß, mindestens Mittelschicht, able und mit sicherem, stabilem Arbeitsverhältnis
  • Erfahrungen der Unterkommuniziertheit vieler Aspekte chronisch Krankseins
    • Marginalisierung und Invalidierung durch die Umwelt
    • Belastung von Angehörigen und Rückwirkung auf Betroffene
  • Forschung: Deutlicher Zusammenhang zwischen chronischen und psychischen Erkrankungen gibt und vice versa
    • Psychischer Stress als Auslöser für Somatische Beschwerden und Erkrankungen
    • Körperliche Beschwerden als Auslöser für psychische Störungen

Gliederung

00:13:55
  • Drei Folgen um Energieressourcen nicht zu überfordern
  • Teil 1
    • Definition einer chronischen Störung
    • Prävalenz
    • Subjektives Erleben
  • Teil 2
    • Psychische Auswirkungen bei chronischen Erkrankungen
      • Folgen der Krankheitssymptomatik
      • Folgen der Medikation
      • Folgen sozialen/gesellschaftlichen Umgangs
  • Teil 3
    • Psychotherapie bei chronischen körperlichen Erkrankungen
    • Psychische Störungen und Autoimmunerkrankungen
    • Gemeinsamkeiten und Unterschiede somatischer vs. psychischer chronischer Erkrankungen
    • TakeAway massages

Definition Chronische Erkrankungen

00:19:15
  • Es gibt keine einheitliche Definition (Scheidt-Nave, 2010a in GEDA 2009)
  • AOK: "Unter einer chronischen Erkrankung versteht man eine länger andauernde, schwer heilbare Krankheit"
  • Oft: "andauernd, wenn der Zustand mehr als drei Monate anhält"
  • Zu unterscheiden von "akute Krankheit" (ca. zwei Wochen)
    • Chronische Erkrankung kann Akute Phasen haben
  • Wikipedia
  • Schweregrade von symptomfrei, über mild bis hin zu schwerwiegenden Symptomen und Einschränkungen
    • Definition Bundesgesundheitsministerium:
      • Als schwerwiegend chronisch krank gilt, wer mindestens einen Arztbesuch pro Quartal wegen derselben Krankheit wenigstens ein Jahr lang nachweisen kann und zusätzlich eines der folgenden Kriterien erfüllt:
        • entweder Pflegebedürftigkeit des Pflegegrades 3, 4 oder 5
        • oder aber ein Grad der Behinderung beziehungsweise eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 60 Prozent
        • oder wenn eine kontinuierliche medizinische Versorgung benötigt wird, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die von der Krankheit verursachte Gesundheitsstörung zu erwarten ist.
      • Anwendbarkeit auf psychische Erkrankungen
        • Wartezeit auf Behandlung i.d.R > 5 Monate, Behandlungszeit oft > 12 Monate
        • Chronizität daher eher Regelfall als Ausnahme

Die häufigsten chronischen Erkrankungen

00:33
  • laut GEDA 2009:
    • Krebs
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Diabetes
    • chronische Atemwegserkrankungen
  • WHO: Ursache 80% aller frühzeitigen Todesfälle
  • Beispiele weiterer chronischer Erkrankungen:
    • Quelle (PDF)
    • Alzheimer
    • Angststörungen
    • Autoimmunerkrankungen
    • Bipolare Sörungen
    • Depression
    • Epilepsie
    • Seh- und Hörbehinderung
    • Adipositas
    • MS
    • Osteoporose
    • Psoriasis
    • Rheumatische Erkrankungen
    • Stoffwechselerkrankungen
    • Gicht
    • Schilddrüsenunter-/überfunktion
  • Verläufe unterscheiden sich zum Teil erheblich
    • Ernährungsumstellungen können bei einzelnen Krankheiten zur teilweisen oder vollständigen Remission (Symptomfreiheit) führen (z.B. Adipositas, Gicht, Formen von Diabetes 2)
    • Krebsbehandlungen gelten als erfolgreich, wenn z.B. nach 5 Jahren keine Neubildungen von Krebszellen festgestellt werden konnten
    • Andere Erkrankungen sind nicht reversibel und bedürfen stetiger Überwachung und Behandlung
    • Wieder andere werden als "progressiv", d.h. fortschreitend, bezeichnet und werden unausweichlich schlimmer (z.B. Multiple Sklerose, verschiedene Autoimmunerkrankungen oder Alzheimer)

Prävalenz (nach GEDA 2009 und 2012)

00:45:20
  • GEDA: "Gesundheit in Deutschland aktuell"
    • GEDA 2009
    • GEDA 2012
    • Befragung an repräsentativer Stichprobe (N=20.000)
    • Selbsteinschätzung (Ja/Nein) : "Haben Sie eine oder mehrere lang andauernde, chronische Erkrankungen? (Hinweis: Chronische Krankheiten sind lang andauernde Erkrankungen, die ständiger Behandlung und Kontrolle bedürfen, z.B. Diabetes oder Herzerkrankungen.) "
    • > 1/3 der deutschen Bevölkerung mit mindestens einer chronischen Erkrankung
    • Breite Kategorie: Erfordert weitere Differenzierungen in Bezug auf Konsequenzen
    • 43 % der Frauen und 38 % der Männer geben an, von mindestens einer chronischen Krankheit betroffen zu sein. Der Unterschied ist statistisch signifikant.

Fazit

00:53:13
  • Chronisch Kranke insgesamt sind keine Minderheit oder Randgruppe.
  • Chronische Erkrankungen spielen im Leben nahezu jedes Menschen eine Rolle:
    • direkt als Betroffene
    • indirekt als Angehörige

Subjektives Erleben Chronischer Erkrankungen

00:54:53
  • Wie ist es eine chronische Krankheit zu haben? (Erlebensebene)
    • Frage, die Betroffene nur sehr selten hören
    • Typische Fragen: Was hast du? Was ist das? (Faktenebene)
  • Komplexität überfordert Nicht-Betroffene
    • Typische Reaktionen: Betroffenheit, Hilflosigkeit, Meidung des Themas, Überforderung etc.
  • Chronische Erkrankung als "ungebetener Gast, den du nicht rausschmeißen kannst"
  • Häufige Begleiterscheinung: Extremer Energiemangel
    • Chronische Erkrankungen kosten unglaublich viel Energie, weil chronisches "Multitasking" z.B. wegen stetiger Müdigkeit oder Schmerzen
    • Löffelanalogie (Shout out to Spoonies!)
    • Akkumetapher
    • Erhebliche Einschränkung von Leistungsfähigkeit und damit persönlichen Freiheitsgraden
      • auch "normale", alltägliche Dinge benötigen Energie (Zähneputzen, Lachen, Essen verdauen ...)
      • Angst vor sicherer Rückkehr der belastenden Symptome (sekundärer Stress)

Das Ende

01:15:53
  • Dank, Verabschiedung und Löffelbilanz!
  • C U in Teil 2 hoffentlich! 😀

Outro

01:17:03